Cirkus Charoni

 

Hereinspaziert‚ hereinspaziert,

hier sind niedrig die Eintrittspreise.

Hier wird sich kräftig amüsiert

auf ganz besondere Weise.

 

Hereinspaziert‚ hereinspaziert,

hier ist‘s ´mal laut, ‘mal leise.

Seien sie nicht kleinkariert,

wir machen eine Reise.

 

Hereinspaziert‚ hereinspaziert,

ihr großen und kleinen Leute.

Die Loge ist für sie reserviert,

kommen sie noch heute.

 

Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut,

daß Beste war gerade gut genug

und wir hätten uns halt sehr gefreut,

wenn auch sie aufgesprungen wären auf unseren Zug.

 

Denn wir reisen durch die Zeiten

und auch ‘mal zu fernen Orten.

Entdecken sie ‘mal von der Welt auch andere Seiten

und klopfen sie an bisher verschlossene Pforten.

 

Hier bietet sich ihnen eine einmalige Gelegenheit,

hier präsentieren sich ihnen unglaubliche Sachen.

Geben sie mir ihre Hand und geführt durch meine Wenigkeit

werden sie bei den Clowns Tränen lachen.

 

Ich verspreche ihnen Spannung und grenzenloses Staunen,

bei dem Illusionisten Stürme entfesselter Begeisterung

und bei der Raubtierdressur ängstliches Raunen-

aber kommen wir nun zur ersten Abteilung.

 

           

 

Heute ist das Leben grau

und öde ist es weit und breit.

Und ein jeder weiß genau

wie schön sie war, die gute, alte Zeit:

 

Geboren im Schatten der Förderkrän‘

kam ich in diese Welt

und ich lernte viel zu schnell versteh‘n,

es zählt hier nur das Geld.

 

Nun lag ich da und hörte bald

den eintönig- schrillen Tton,

der Fabriksirene‚ die herüberschallt‚

voll bitter- bösem Hohn.

 

Hat des Vaters Kraft sie einst ausgesaugt

für den allzu kargen Lohn

und ist er darin schwach und ausgelaugt,

dann ruft sie mich, den Sohn.

 

So lernte ich früh, daß des Lebens Schlacht

niemals ein Ende hat, denn wir waren arm

und der Geschwister acht

und wir wurden nur selten satt.

 

Der Vater ging schon früh hinaus

und arbeitete fast dreizehn Stund‘.

Die Mutter schuftete schwer zu Haus,

stumm und voller Verbitterung.

 

Sie kochte, walkte, lag auf dem Knie

und scheuerte auch den Flur.

Doch großen Dank, den erhielt sie nie,

sie war halt die Mutter nur.

 

Und manchmal fiel eine Träne hinab, 

heimlich, zur Mittagzeit

und gab dem Essen den Geschmack

von Elend und Kärglichkeit.

 

Das Klo, daß stand im Treppenhaus, 

für 15 Leute und mehr.

Es war dunkel, kalt und dreckig auch

und stank zudem noch sehr.

 

Die Wohnung feucht und im Winter kalt,

zum Heizen kaum mehr als Glut

und Bruder Karl, 4 Jahre alt,

verröchelte in seinem Blut.

 

Denn wir lagen zu fünft in einem Bett,

gehüllt in Mäntel, schlissig und alt.

Wir hatten kein Laken und keine Deck‘

und uns war so erbärmlich kalt.

 

Und an der Decke, da hing das Eis,

zentimeterdick und fest

und es knackte so bei Tauwetter leis´,

daß es mich noch heute erschaudern läßt.

 

Ich weiß noch gut‚ mein Bruder stand auf,

da fiel‘s auf einmal herab

und knallte auf das Kopfkissen ‘rauf-

es verfehlte mich nur knapp.

 

Und dann war auf einmal die Freude groß,

es hieß, wir haben Krieg.

Vater ging fort, daß sei Soldatenlos,

nun stürme er zum glorreichen Sieg.

           

Aber nun ging Mutter auch außer Haus,

arbeitete in ‘ner Munitionsfabrik.

Wir Kinder passten aufeinander auf,

unsere Freude, die war schnell versiegt.

 

So verging die Zeit,wir merkten‘s kaum.

Das Leben war fast eine Last.

Wir wohnten noch immer in nur einem Raum

und der Hunger war ein ständiger Gast.

 

Und dann kam endlich Vater zurück,

er sagte,‘s sei wegen dem Gas

und er hustete oft wie verrückt,

es dauerte lange, bis er endlich genaß.

 

In der Zwischenzeit, da war er Arbeitslos,

das Leben war immer noch schwer.

Die Gespräche, die drehten sich um eines bloß,

wo kriegen wir das nächste Essen her.

 

Dann zogen wir um, in einen anderen Ort,

mit dem bischen, was wir noch so hatten.

Doch andere, die waren schon vor uns dort,

daß waren die Mäuse und Ratten.

 

In der Küche war ‘ne zersprungene Fensterscheibe,

dadurch zog es ohne Ende.

Doch das Erdrückenste an unserer neuen Bleibe,

daß waren die schwarz-grauen Wände.

 

Und auch hier gab es so viele Kriegsverletzte

und bildeten ein grausiges Heer,

die Verstünmelten, Invaliden, vom Gas Verätzten,

ihre Augen waren stumpf und leer.

 

Endlich bekam Vater ‘n Job als Hilfsarbeiter,

dafür gab‘s wenigstens ein bischen Lohn

und er meinte, nun geht‘s auch irgendwie weiter,

da kam die Inflation.

 

Drum hör‘ auf zu lächeln, wenn du von damals sprichst,

von der guten, alten Zeit,

denn golden, daß waren die Zeiten nicht,

sondern hart und voller Leid.

 

       

 

Ja, damals war das Leben schwer

und glücklich zu preisen, wer eine Pension hat erreicht.

Doch heute gibt‘s keine Probleme mehr,

denn das Leben ist einfach und leicht.

 

Denn das es ein Kampf ums Überleben noch sei,

daß könnt ihr doch nicht ernsthaft behaupten.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie man sich fühlt dabei, 

wenn man sah, wie das Leben sie uns raubten.

 

Heute ist man ungestört und frei,

man lebt in Saus und Braus.

Und mit dem bischen Arbeit dabei

ist man doch fast immer bei den Lieben zu Haus :

 

Hallo,

Ist da noch irgendjemand außer mir ?

Bin ich denn wirklich ganz alleine hier ?

Aus den Fenstern all‘

quillt des Fernseh‘ns Hall.

Warum antwortet ihr nicht ?

 

                        Hey du, draußen auf der Bank,

                                    ganz allein und deshalb krank­-

                                    bitte, hilf mir.

 

                        Hey du, starrst auf die Laterne,

                                    sehnst dich nach Licht und ‘n bischen Wärme-

­                                    bitte, hilf mir.

 

                        Hey du, mit ‘dem Eimer voller Sand,

                                    willst dein eigen Stückchen Land-

­                                    bitte, hilf mir.

 

                        Hey du, pitschnaß schon vom Schweiß,

­                                    läuft und läuft doch nur im Kreis-

                                    bitte, hilf mir.

 

                        Hey du, mit dem Ohr auf der Straß‘,

                                    hörst das Wachsen von dem Gras­-

                                    bitte, hilf mir.

 

                        Hey du, redest über Farben dann und wann

                                    und brüllst dabei graue Wände an-

                                    bitte, hilf mir.

 

                        Hey du, deine Maske in der Hand,

                                    mit der schäkerst du galant­-

                                    bitte, hilf mir.

 

                        Hey du, tanzt auf einem Bein,

                                    gibst vor ein Baum zu sein-

                                    bitte, hilf mir.

 

                        Hey du, hinter Fensterscheiben,

                                    siehst zu, was die anderen treiben-

­                                    bitte, hilf mir.

 

                        Hey du, am Computerheimgerät,

                                    tippst und hackst von früh bis pät-

­                                    bitte, hilf mir.

 

                        Hey du, bei dem Telephon,

                                    hoffst auf des Wartens Lohn­-

                                    bitte, hilf mir.

 

                        Hey du, mit dem Grinsen im Gesicht,

                                    doch wahre Freude kennst du nicht-

                                    bitte, hilf mir.

 

Warum kann ich euch denn nicht erreichen?

Greif‘ ich nach euch, scheint ihr auszuweichen.

Ich seh‘ euch reden, seh‘ euch bewegen,

doch stets fühl‘ ich mich allein.

 

                        Hier werden nächtliche Albträume wahr.

                        Hier krepiert, was einmal die Seele war.

                        Hier verhallt der Schrei.

                        Hier wird man nie frei

                        und Angst steigt in einem hoch.

 

Kann man die Sehnsüchte schon nicht stillen,

dann bekommt man ein paar schöne Pillen und das große Leid

der Verlassenheit         

ertränkt wallender Nebel.

 

Aber das ist doch nur ein schaler Traum

und Flucht für lange, ja, die gibt es kaum.

Die Wohnungen klein,

die wirken auf ein‘

wie Zellen in einem Knast.

 

Es scheitert jeglicher Ausbruchsversuch,

es erliegt jeder dem steinernen Fluch

und brech‘ ich den Bann,

geh‘ nach nebenan,

dann steht die Wohnung dort leer.

 

So bleibt jeder weiter für sich allein.

Man traut sich kaum ‘mal richtig laut zu sein.

Stille und Schweigen, daß muß so bleiben,

als wär‘n wir alle schon tot.

 

Erinnert sich noch jemand hier an mich ?

Empfindet wirklich keiner so wie ich ?

Sind wir so heute ?

Oh, Gott‚ hey, Leute,

was ist mit uns nur gescheh‘n ?

 

        

 

Häuser werden zu Särgen und Wände atmen Gift.

Millionen stumpfer Augen uns begleiten.

Wie immer man es auch trifft,

sie folgen uns durch alle Zeiten.

 

Die Zukunft hat schon begonnen für diese Generation.

Doch bleiben wir in der Gegenwart.

Ihr fragt euch sicher schon

welche tiberraschung nun eurer harrt.

 

Nun, ihr sollt nicht länger warten,

nicht länger soll die Spannung euch auffressen.

Verlassen wir also diesen düster-steinernen Albtraum-Garten

und widmen uns angenehmeren Dingen, wie zum Beispiel dem Essen.

 

Denn in der nächsten Abteilung haben wir

den fettesten Menschen für euch nun hier.

Schaut an das wüste Menschentier,

unmäßig in gemeiner Gier :

 

Große‚ dunkele Kinderaugen

blicken stumpf, wie ich‘s nie sah.

Du kannst an keine Zukunft glauben,

da wo du lebst,in Afrika.

 

Armes‚ kleines Menschenkind,

was hat man dir angetan und alle,

die am verhungern sind,

was hat man dir angetan?

 

Es ist ja wahr, daß hier in Silos

Lebensmittel umsonst verdorr‘n,

davon viele Milliarden Kilos

Butter, Fleisch und auch Korn.

 

Ach, könntest du uns hier ‘mal sehen

in unserem Wohlstandsparadies,

mit Butterbergen und Milchseen,

im Land, woMilch und Honig fließt.

 

Drum, vom Luxusleben hat auch

jeder zweite Übergewicht.

Auch ich hab‘ einen kleinen Bauch,

warum akzeptierst du das denn nicht ?

 

Es ist nicht wahr, daß ich im Leben

immer nur denke an mein Geld.

Neulich hab‘ ich ‘was gegeben,

5 Mark für “Brot für die Welt“

 

Du kannst kaum gerade geh‘n vor Schmerz

und es bricht mir ja das Herz.

Doch auch mit unserer Wirtschaft geht‘s abwärts

und das ist nicht nur ein Scherz.

 

Deshalb müssen wir vernichten

Obst, Gemüse und auch Wein,

das will keiner gern verrichten doch,

das muß nun ‘mal halt sein.

 

Während alle 2 Sekunden

ein Kind stirbt auf dieser Welt‘

widmen wir selbst unseren Hunden

mehr Aufmerksamkeit und Geld.

 

Armes, kleines Menschenkind-

aber- was siehst du mich so an ?

Bleibe, wo die Toten sind,

ich hab‘ dir doch nichts getan.

 

Ob ich nicht auch sin Leben hinge ?-

Du magres, dürres Schreckgespenst.

Du urteilst vorschnell über Dinge,

die du gar nicht richtig kennst.

 

Vade retro- weiche von mir,

ich habe doch nichts getan.

Warum quälst du mich jetzt hier ?

Laß‘ ‘mich in Ruh‘ mit deinem Wahn.-

 

Sieh‘ dies Bild, liebsteDorte,

nein- du hast ja wirklich recht-

noch ein Stückchen Sahnetorte,

ja- ich leg‘ die Zeitung weg.

 

       

 

Sie opfern die Kinder der 3.Welt

auf dem Altar der “Zivilisation“

und huldigen dem Gott Mammon, dem Geld

und beten voller Hohn :

 

 

Vaterunser, der du bist im Golde,

geheiligt werde dein Name,

zu uns komme dein Profit,

dein Wert steige, wie bei uns,

also auch bei anderen Börsen.

Unseren täglichen Gewinn gib‘ uns heute

und erlaß‘ mir meine Schuld,

wie auch ich storniere meinen Schuldigern

und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von den verhungernden Kindern der 3.Welt.

 

       

 

Und mit ihrem Herz aus Stein

geh‘n sie berechnend über Leichen.

Aber muß das denn immer so sein ?

Kann denn nichts ihr Herz erweichen?

 

Doch auh ihr Herz bewegt holdes Entzücken

und sie kennen sogar die Liebe.

Denn nichts kann sie mehr beglücken

als Gedanken an Autos Getriebe.

 

Denn das ist der Reichen liebstes Kind,

innig geliebt durch Zeit und Raum

und ein Auto, schön und geschwind,

daß ist ihr liebster Traum.

 

Ungestört und frei zu fahr‘n,

daß lieben sie von Herzen.

Und geht durch Berg und Tal die Autobahn,

dann fangen sie sogar an zu scherzen :

 

 

Wer hat dich, du schöne Autobahn,

aufgebaut so hoch da droben.

Wohl, den Meister will ich loben,

daß ungestört wir nun können fahr‘n.

 

Hab‘ Dank, du schöne Autobahn.

 

Ob über Städte, Flüsse oder Wald,

oben einsam Autos rasen.

Die Motoren blubbern, spucken, blasen,

daß es tausendfach erschallt.

 

Hab‘ Dank, du schöne Autobahn.

 

Und was man von anderen Autos hat gehört,

wollen sehen, ob sie‘s können halten.

So geben wir mutig Gas und schalten,

solange noch ein Auspuff röhrt.

 

Hab‘ Dank,du schöne Autobahn.

 

Schirm dich Gott,

du schöne Autobahn.

 

 

       

 

Es ist das Verkehrsstudio, das unterbricht

unser Programm wegen einer wichtigen Durchsage.

Hören sie deshalb nun den Bericht

über die aktuelle Verkehrslage :

 

Wie die Polizei uns mitteilte, sind beide Seiten

der Friedensstraße bis auf weiteres gesperrt

infolge baulicher Stationierungsarbeiten.

Nehmen sie bitte folgende Umleitung :

 

Über die Gneisenau Straße und die Blücher Allee,

über die Moltke Straße und den Schlieffen Ring,

über den Hindenburg Weg und die Ludendorff Chaussee,

über die Rommel Gasse zum Rogers Platz.       

 

         

 

Wir wünschen allen, die jetzt unterwegs sind, eine “Gute Fahrt“

und hier ist nun wieder “Cirkus Charoni“.               

Und wir kommen nun zu Kunstreitern besonderer Art-        

hier sind sie schon- die “Los Apokalyptoni“ : 

 

Höret, vernehmt die Schreckenskunde,

die Reiter machen ihre Runde.

Nun ist‘s zu spät für Opfergaben.

Flieht, laßt alles steh‘n und liegen

und betet, daß sie euch nicht finden.

Seht‚ wie Fliegen, Ratten, Raben

und Geier uns auf‘s neu besiegen

und wie auf‘s neu sie Menschen schinden.

           

Da ist Fames auch schon heran,

als Hungerkünstler wohl bekannt.

Er trägt die Maske Mitleid

und kreischet um Barmherzigkeit.

Doch dieses Grinsen, dick und feist,

ist nur der Satten Arroganz.

 

Doch was der Dürre umklammern kann,

worauf er legt die mag‘re Hand,

daß bleibt ihm lange nicht verwehrt.

Und wirkt er noch so abgezehrt,

als blut‘ger Egel er sich bald erweist.

So führt er an den Totentanz.

 

Das flücht‘ge Nebelwesen

ist Pestis, ein wabernd Wolke.

In flatternd´ Schleier ist er gehüllt.

Da er die ganze Luft erfüllt

weht jede Windböe immer wieder

auf‘s neu heran, den faul‘gen Gestank.

 

Wo er ist länger gewesen

kriecht Siechtum bald in‘s Volke.

Doch wächst er noch, der gift‘ge Hauch,

denn er nährt sich von der Schlote Rauch.

Und immer mehr legen sich nieder,

zitternd und fiebernd, zu Tode krank.

 

Bellum, mit Orden und Band,

betöred selbst die, die ihn hassen.

Er lächelt aufreizend,

mit Scherzen nicht geizend,

einem gewissen Blitzen im Blick

ist er ein prächtiger Satrap.

 

So verführt er galand

die staunenden Massen.

Doch sein Leib ist zerschunden,

aus klaffenden Wunden

rinnt Eiter, schwer und dick

und hängt faulend Fleisch herab.

 

Mors, der nie ein Wort verliert,

erscheint, zuletzt‚ fast regungslos.

Wer ihn von weitem schon erblickt

erstarrt und jeder Schrei erstickt.

Die Kutte schwarz‚ der Atem kalt

so wirkt sein Antlitz bleich und fahl.

 

Wen sein glühend Blick fixiert,

besieht von unten sich bald das Moos.

Doch ist auch er ein Heuchler,

ein widerlicher Meuchler.

Denn stirbt der Reiche ohn‘ Schmerz und bald,

krepiert der Arme voller Qual.

 

Und sind endlich sie vorbei,

dann sind erlöset Mensch und Tier.

Jetzt ist zuend‘ das Leid,

nun ist des Trauerns Zeit.

Man jammert, stöhnt und klagt

und man bekreuzet sich.

 

Doch sind verhallt die Schrei‘

und sind beim nächsten dann die vier,

so reget sich bald schon

Gleichgültigkeit und Hohn.

Man dreht sich um und sagt:

“Was kümmern die denn mich ?“

 

Aber, wie doch jeder weiß,

der Welt Manege ist nur ein Kreis,

donnern auf‘s neu sie bald heran,

zieht brüllend finst’rer Sturm herauf

und wird geboren neues Leid.

So ist die Welt in ihrem Bann,

geknechtet von des Schicksals Lauf

bis in alle Ewigkeit.

 

         

 

Unsere Vorväter haben sie auch schon gekannt

und ihnen und uns blieb des Lebens Harmonie verwehrt,

denn sie haben mit eisener Hand

Furcht und Schrecken uns nur gelehrt.         

 

A propos- hat in der Schule nicht ein jeder

gehört von Britanniens König Arthur

und seiner Rüstung aus Eisen und Leder

und seinem Schwert Excalibur ?

 

Aber gab es nicht eine Hürde,

die ihm verwehrt die Königsein ?

Zum Zeichen echter Königwürde

zog er damals ein Schwert aus einem Stein.

 

Heute müßte er in einem solchen Fall

aus Verduns zerrissener Erdenwunde

lösen alle Teile aus Metall

und sie präsentieren vor der Hibakscha-Tafelrunde.

 

Aber kommen wir nun zum sagenhaften Samson und seiner Kraft,

der stärkste Ketten sprengt und lacht dabei.

Doch es gibt eine Fessel, die zu sprengen er nie geschafft

und niemals wird von ihr er frei :

           

Wie es in jungen Jahren wohl ein jeder tut

hat von der Schule er anfangs geschwärmt.

Er fühlte sich wohl und lernte gut

und glaubte, daß fürs Leben, nicht für die Schule, man lernt.

Aber beim Malen im Kunsunterricht

sagte der Lehrer: „Was ist denn das hier-?

  Du hast die Aufgabe doch verstanden, oder nicht ?

  Oder was sollen die Kleckse dort auf dem Papier ?-

  Die Blüte da vorn ist rot‚ hab‘ ich bisher gedacht,

  und sind die Blätter nicht grün ?

  Da ist nichts, was es nötig macht

  die anderen Farben zu bemühen.

  Nun also- was soll das hier sein ?

  Willst du es mir nicht erklären- nein ?“

 

„Aber‘ ich mal‘ die‘ Blumen, wie sie mir  in den Sinn kommen,

  so bunt, wie vor unserem Haus.

  Und deshalb hab‘ ich auch die anderen Farben genommen,

  ich find‘‚ daß sieht auch so viel schöner aus.“

 

„Oh, einen freischaffenden Künstler haben wir hier,

  ach, du armes Deutschland.

  Nun gut, aber nun sage mir,

  siehst du‘ nicht das Bild dort an der Wand.

  Das sollst du nur abmalen, nicht mehr.

  Also, ähh- wie heißt du gleich noch‘?

  Ich kann mir keinen Namen merken- komm ‘mal her.

  Vielleicht siehst du es ja von dahinten nicht so- oder doch ?

  Also, die Blüte dort ist rot, wie gut zu sehen

  und die Blätter sind grün, nicht wahr ?

  Und es ist um nichts in der Welt zu verstehen

  warum man das anders abmalt- ist das klar ?

  Ich hoffe,du bist jetzt einsichtig

  und malst das jetzt richtig.“

 

„Aber ich mal‘ die Blumen, wie sie mir in den Sinn kommen,

 so bunt, wie vor unserem Haus.

 Und deshalb hab‘ ich auch die anderen Farben genommen,

 ich find‘‚ daß sieht auch so viel besser aus.“

 

„Ach so, ich seh‘schon, so ist das.

  Na, dann setz‘ dich ‘mal wieder hin.

  Ein kleines Trotzköpfchen haben wir hier, was ?

  Denkst du eigentlich, daß ich ein Trottel bin ?“

Das hilflose Lächeln des Jungen erlischt.

Der Lehrer hat mit einer heftigen Bewegung

die alte Zeichnung vom Tisch gewischt.

 „Hier, mach‘ nochmal ‘ne neue Zeichnung !“

Der Junge schlägt die Augen nieder

denn der Lehrer bleibt dicht vor ihm stehen.

Doch der Junge malt die Kleckse wieder.

„Willst du mich lehren wie Blumen aussehen ?

  Sag‘ ‘mal, kannst oder willst du mich nicht verstehen ?

  Wie hat die Blume auszusehen-?“       

 

„Aber ich mal‘ die Blumen,wie sie mir in den Sinn kommen,

  so bunt,wie vor unserem Haus.

  Und‘ deshalb hab‘ ich auch die anderen Farben genommen,

  und das sieht auch einfach schöner aus.“

 

Doch der Lehrer brüllte rot vor Zorn:

„Ihr seid ein undisziplinierter Sauhaufen ! –

  Und du- komm sofort hier nach vorn !-

  Wenn ihr meint, ich laßt das hier so weiterlaufen...“,

er tippt mit dem Finger heftig auf den Tisch und zischt:

„...dann habt ihr euch gewaltig geirrt !- Vor die Tür !-“

Und während er in seiner Tasche nach dem Buch fischt:

„Ihr anderen könnt euch bei ihm bedanken dafür-

  Los- alle! Buch aufschlagen...

  Still !- Keinen Ton mehr

  Seite 93 abschreiben- und beantwortet alle Fragen...

  das wird abgegeben und zensiert nachher !-

  So ‘was will ich nicht nochmal erleben

  und du kannst dir deine Antwort nochmal überlegen.“

 

„Aber ich mal‘ die Blumen, wie sie mir in den Sinn kommen,

  so bunt, wie vor unserem Haus.

  Und deshalb hab‘ ich auch die anderen Farben genommen,

  ich find‘‚ daß sieht auch irgendwie schöner aus.“

 

Der Lehrer kam: „Was soll denn das ?

  Der Rector würde dich jetzt schlagen,

  daß weißt du doch, was ?

  Mußt du denn immer solch´ dummen Sachen sagen ?

  Guck ‘mal- ich mag dich- wirklich, im Ernst

  und du bist doch auch nicht dumm.

  Ich seh‘ doch, mit welcher Freude du lernst.

  Aber nun sieh dich doch ‘mal um !-

  Willst du denn deine Noten gefärden ?

  Willst du denn ewig der Klassenkasper bleiben ?

  Willst du so dumm wie‘n Hauptschüler werden ?

  Oder soll ich deinen Eltern schreiben ?

  Das muß doch alles nicht sein,

  sag‘ selbst,daß siehst, du ein ?“

 

„Aber ich mal‘ die Blumen, wie sie mir in den Sinn kommen,

  so bunt, wie vor unserem Haus.

  Und deshalb hab‘ ich auch die anderen Farben genommen,

  ich find‘‚ schöner sieht das nämlich auch aus.“

 

Aber der Lehrer sagte nur: „Nachsitzen !

  Ich denk‘ dabei nur an dich.

  Und mit solch‘ aufmüpfigen Witzen

  schadest du nur dir selbst- letztendlich.

  Deshalb kommst du auch nicht eher heim,

  bis du es nicht richtig gesagt hast.“

Über drei Stunden saßen sie so zu zwein

und der Junge widerstand- jedenfalls fast.

Denn dann wurde es dem Lehrer zu bunt,

er sprang auf, schrie und drohte dabei

ihn zu prügeln wie einen Hund,

wenn er noch weiter so bockig sei.

Da endlich erhob der Junge sich schwer

und stockend flüsterte er:

 

„Die Blüte ist rot, wie gut zu sehen,

  die Blätter sind grün, wie wahr.

                          Und es ist um nichts in der Welt zu verstehen

                          warum man das anders abmalt- das ist klar.“

 

Es verging nicht ‘mal viel Zeit

und er veränderte sich sehr.

Er lernte zu buckeln vor jeder Obrigkeit

und widersprach den Lehrern nie mehr.

Und die waren begeistert :

“Oh wie brav, wie wohlerzogen, wie fleißig,

  daß wird ‘mal einer, der sein Leben meistert.“

Und ist er jetzt auch schon über dreißig,

stellt man ihm Fragen

nach einem Rat, der einem durchs Leben soll begleiten,

so bleibt ihm nur resignativ zu sagen:

„Krümm‘ dich beizeiten...“

 

         

 

Hier ist der nächste Künstler schon.

Bei ihm können sie nie sicher sein was wirklich geschah,

denn er ist ein Meister der Illusion-

hier ist er nun- der einzigartige P.Ganda :

 

Meine Damen und Herren,

ich möchte ihnen gern

ein bischen den Abend versüßen.

Warum sollen immer wir dafür büßen

wenn‘s in der Welt wieder ‘mal kracht.

 

Sie kennen‘s doch auch,

mit ‘nem guten Essen im Bauch,

die Füße sind warm,

ein Kissen im Arm,

möcht‘ gemütlich man fernsehen.

 

Doch was ist in der Glotze ?

Nicht‘s als Gemotze !

Hier beschimpft man den Staat,

dort verrottet die Saat,

überall ist Streit nur und Krieg.

 

Man erzählt von Problemen und Sorgen

und orakelt in düstersten Farben von Morgen.

Wen wundert‘s, wenn das mag keinem behagen,

denn schon drückt auch der Braten im Magen

und wieder ist ein Abend im Eimer.

 

So geht das nicht weiter !

Nein, lustig und heiter

soll das Fernsehen doch sein.

Sehen sie, ich mein‘,

es geht doch auch anders.

 

Unsere schöne Wende

ist doch noch lang‘ nicht am Ende.

Wir wenden und dreh‘n

und dann werden wir seh‘n,

daß jedes Ding zwei Seiten hat.

 

Natürlich wird es im Leben

auch ein paar Unannehmlichkeiten geben.

Doch man muß mal wieder

auch viel positiver

die Dinge beleuchten.

 

Zum Beispiel, 2 Millionen Arbeitslose,

das Gerede vom persönlichen Elend und die ganze Chose.

Jetzt haben sie endlich mehr Zeit für die Familie und den Hund,

können öfter mal an die frische Luft geh‘n, daß ist gesund-

und außerdem, die wollen ja gar nicht mehr arbeiten.

 

Aber, was soll‘s.

Rufen wir stolz:

Der Aufschwung ist da !

Es werden wieder Gewinne gemacht über‘s Jahr.

Es geht uns noch immer gut.

 

Aber natürlich, wenn wir wie jene dort,

die nur rühren das Wort

über “Pseudokrupp“ und “Smog“,

über “No Future“ und “Null Bock“,

dann hätten wir‘s auch einfach.

 

Jedoch, wir schützen die Umwelt,

wir investieren viel Geld

und selbst die Industrie hilft

uns wie nie

und tut, was sie nur kann.

 

Wir haben schon so viel getan, 

sehen sie sich ‘mal die Statistiken an,

dann finden sie heraus,

daß so eine Lapalie wie Buschhaus

gar nicht weiter in´s Gewicht fällt.

 

Und dann diese falschen Humanisten,

die Fürsprecher von Chaoten und Terroristen.

Wer sonst könnte etwas haben gegen Datenkarteien,

gegen Volkszählung‚ neuen Ausweis und Computerdateien.

Mein Gott, daß sind doch bloß Zahlen.

 

Und dann wollen sie die Polizei schlechtmachen,

erzählen ‘was von “1 Toter alle 3 Wochen“ und solche Sachen.

Die sogenannten Opfer, ja, die bleiben stumm.

Die werden schon wissen warum.

Ein ehrlicher Bürger  hat nichts zu befürchten.

 

Jetzt meckern sie auch, daß wir Raketen kriegen,

dabei sieht doch jeder, nur sie sichern den Frieden.

Nun gut, wir haben auch Bunker,das ist wahr

und wir erproben die Sirenen zweimal im Jahr,

doch wir pflegen nur die Tradition.

 

Und Rüstung bringt auch nicht schon im Frieden den Tod

und vergrößert schon gar nicht der Hungernden Not.

Im Gegenteil, die Rüstungsgeschäfte bringen so viel Geld,

daß wir damit die Entwicklungshilfe bezahlen können für die 3.Welt

und deshalb schaffen wir “Butter durch Kanonen“.

 

Wir müssen den Pessimismus überwinden,

nicht immer ein Haar in der Suppe finden.

Nein- wir müssen mit Optimismus in die Zukunft sehen,

mit vereinten Kräften frisch zu Werke gehen,

denn wie heißt es so schön : “Sich regen bringt Segen“.

            Ich führe euch herrlichen Zeiten entgegen.

 

       

 

In der folgenden Raubtiernummer sind ein Luchs,

zwei Leoparden und ein Jaguar,

ein Gepard, ein Wiesel- und ein Fuchs.

Das wird den Atem ihnen rauben und den Etat : 

 

Seht uns an- wir sind “schön“, aber auch “robust“

und “schnell“, “zäh“ und “handlich“,

hättet ihr das gewußt ?

Aber wir sind auch “zuverlässig“

und “flexibel“ und “leicht,

“vielseitig“, “präzise“, “hochwertig“

“erfolgreich“ und “unerreicht“.

Wir sind “genau wie ein Uhrwerk“, sind “zeitlos“-

und trotzdem leben wir- allen Naturgesetzen zum Hohn,

denn wir haben “Familien“ und schon die “3.Generation“.

 

“In forderster Front im internationalen Schachspiel“

habt ihr die “Zukunft fest im Griff“,

denn mit uns seit ihr “anderen voraus“- das ist “das Ziel“.

Wir “eröffnen ein neues Zeitalter“.

“Im Gefecht entstanden,

im Einsatz gehärtet“.

“Prüfung bestanden“.

Tja,so preißt man uns.

“Wir machen überlegen“,

sagen die Strategen.

 

            Aber habt keine Angst- fürchtet euch nicht,

            wir stellen nur eine “günstige Lage“ her

            und “neutralisieren“- mehr nicht.

            Wir “schalten aus“.

            Wir wirken “Anti- Personal“,

            bekämpfen höchstens “Weichziele“

            und hinterlassen nur “Megatote“- keine genaue Zahl,

            denn wir sind human. -

            Das ist zwar bekannt,

            doch ihr habt uns lange verkannt.

 

Ihr müßt endlich zu uns stehen

und aufhören in unserer “Berührung

noch etwas Verruchteres zu sehen,

als in der Unzucht mit Kindern“.

“Wo bleibt denn hier der Stolz,

der berechtigte Stolz auf die Leistung ?“

Ihr bearbeitetet uns wie sprödes Holz,

wir sind euer Produkt.

Und sind wir jetzt geschmeidig, gehorsam und voller Tricks,

ohne euch wären wir nichts.

 

Aber unsere Wildheit ist gezähmt,

wir patroulieren hinter Gitterzäunen auf und ab.

Auch wenn die Faszination euch fast lähmt,

unsere Kraft ist gebannt.

            Nur ab und zu fauchen wir und zeigen die Krallen

            und offenbaren unter lauten Brüllen unsere Schrecken,

            um in Manövern euch zu gefallen

und danach wieder sanft zu schnurren.

Ihr könnt ruhig den Kopf in unser Maul legen,

darauf vertrauend, daß wir nicht zuzubeißen pflegen.

 

       

Und nun die ‘Wort‘- Akrobaten, beliebt und bekannt.

Ein Tropf ist der, der sie verpasst.

Wie wurden sie an anderer Stelle schon genannt ?-

Die “Clowns der Macht“- aufgepasst : 

 

„Guten Abend, meine Damen und Herren

und auch ihnen am Fehrnsehen ein Hallo.

Im Namen der Sendeanstalt

darf ich sie begrüßen zu unserer Schow

und hoffe, daß wir wieder viel Spaß haben werden.

 

Begrüßen wir also den Ihnenminister-

fangen wir gleich mit den Fragen an ?

Ich hoffe, sie haben sich gut vorbereitet!

Also dann, hier ist die erste Frage:

 

Wieviele Bürger erstatteten 1979 allein in Hamburg

gegen Polizeibeamte Anzeigen ?

Wieviele wurden beleidigt‚ genötigt, ihrer Freiheit beraubt und verletzt

und wollten oder konnten dazu nicht mehr schweigen ?“

 

„441 erstatteten Anzeige.“

 

“Wie oft ist, statistlsch gesehen,

ein Mensch in diesem, unserem Land

von der Polizei erschossen worden ?

Wie oft stirbt ein Mensch von Polizistenhand ?“

 

„Alle 3,18 Wochen gibt es einen Toten.“

 

„Wir alle wissen, daß jeder Polizist eine Pistole trägt.

Welche Waffen könnten sie sich aber noch beschaffen ?

Nennen sie also bitte

die dienstlich zugelassenen besonderen Waffen.“

 

„Maschinengewehr‚ Granatwerfer‚ Handgranate und Sprengmittel.“

 

„Woran sterben denn nun die Polizisten

am häufigsten ? -

Wir wissen alle, Polizeiarbeit ist gefährlich,

aber welche Todesart ist am geläufigsten ?“

 

„Zweidrittel der Polizisten sterben bei Verkehrsunfällen.“

 

 

„Welche Berufsgruppen

leben ähnlich gefährlich

wie Polizeibeamte ?-

Seien sie ehrlich.“

 

“Feinmechaniker und Elektriker.“

 

„Hervoragend- alles richtig. Nun die zweite Runde.

Ich sehe, der Innenminister hat den höchsten Stand,

dann sind sie auch dran.

Wählen sie auf unserer Multivisionswand.“

 

                          „Polizei 40.“

 

„Die Polizei, dein Freund und Helfer-

so hat die Polizei sich gern gesehen, 

doch das hat sich geändert.

Als was kann die Polizei heute verstehen ?“

 

„Die Polizei, dein Mörder und Henker.-

­Polizei 60.“

 

„Ahh- eine Glücksfrage.

Was glauben sie           

wem die Polizei die Auszeichnung

‘Liebster Bürger dieses Landes‘ verlieh ?“

 

„Dem gläsernen Bürger.-

 Polizei 80.“

 

„Nennen sie einige Namen

die hier in diesem, unserem Land

als brutale‚ revolutionäre‚ terroristische Gewalttäter

sind bekannt.“

 

„P.Müller, B.Ohnesorg, O.Ritzmann, K.-J.Rattay, G.Sare.

­Polizei 100.“

 

„Nein- sie haben aber ein Glück.

Ein Joker- unser Hasso schenkt ihnen

einen neuen Wasserwerfer

und hofft, er möge ihnen dienen.“

 

“Oh,ja- vielen Dank.-

Polizei 120.“

 

„Risiko- es geht um Staatssicherheit.

Hier kommt also die zweiteilige Frage :

Wie lautete eine polizeiliche Aufforderung

in Frankfurt am Tage

der Demonstration an der Startbahn West ?-

Nennen sie in mindestens drei anderen Fällen das Jahr,

die Orte und die polizeiiichen Mannschaftsstärken

mit ähnlicher Devise.- Alles klar ?“

 

„Ja.- Zu Frage eins :

Ein Schweizer Beobachtungsteam hörte über Megaphon sagen

‘Knüppel ‘raus- alles was hier geht und steht zusammenschlagen.‘ -

Und zu Frage zwei :

1977 in Kalkar waren 12.000 Polizisten,

1980 in Gorleben waren ebenfalls 12.000 Polizisten dabei,

1981 in Brokdorf/Wilster Marsch waren 12.000 Polizisten.“

 

. . .

 

 

„Ah, kommen sie, Herr M.Ek

und das Kreuz in‘s linke Tafeleck.

Also, Beamter sind sie.

Tja, immer im Dienst, wie.

Welches Terrorgrüpperl hätten‘s denn gern ?

Die rote- natürlich. Ich stell´s dahin.

Und darin will ich ihn ‘mal vorstellen, den Herrn.

Achtung,und-“ DING !

“Agent Provokateur.“

“Die typische Handbewegung- ja danke.“

 

 

“Ich glaube, Guito, daß du jetzt dran bist-“

“Ah- gehe ich recht in der Annahme, daß es ein einfacher Beruf ist ?“

            “Nein !“           

                        “Also ein schwieriger, aber- er ist sehr wichtig für die Gesellschaft ?“

            “Ja !“   

“Man braucht also Mut, Entschlossenheit und viel innere Kraft ?“

            “Ja !“

“Und Menschenkenntnis brauchen sie viel ?“

“Ja !“

“Haben sie sich schon ‘mal geirrt dabei ?“

“Nein !“

                        “Mußten sie schon ‘mal etwas tun, was ihnen persönlich nicht gefiel ?“

            “Nein !“           

                        “Hm, nie geirrt- der Papst sind sie nicht, ha, ha... ein Lockspitzel der Polizei ?“

            “Ja !“   

 

“Tja, Herr M.Ek, viel sind es nicht geworden.

Die typische Handbewegung war- Steinewerfen, ach ja.“

           

. . .

 

            “Hier nun der Verteidigungsminister und sein Mitkandidat.

Die Runde der Entscheidung naht.

Also, sie sollen jetzt alles wechselweise sagen.

Was fällt ihnen zum Thema ‘Frieden‘ alles ein ?- Noch Fragen ?

            Sie haben 15 Sekunden Zeit .- 

            Sind sie soweit ?          

Dalli,

            Dalli.“  

                                      “SDI  - Pershing 2

  Elitesoldaten - Sprenggranaten

    MX - VX

          Raketenabwehr - Maschinengewehr

NATO - WVO

Geschoßpfeile - Bomben- und Raketenteile

   PAK - FLAK

             Wasserstoff- Chlorid   - Adamsit“

           

             “16 Punkte- das ist viel.

Jetzt machen wir ein kleines Spiel.

Hier haben wir verschiedene Raketen- z.B. Pershing 2,

Cruise Missile sind auch dabei

und dort, zu ihrer rechten Rand,

da haben sie eine Karte von West-Deutschland.

Kommen sie ruhig näher- das machen sie zu zweit.

Sie haben 60 Sekunden Zeit

soviele Raketen zu stationieren, wie sie schaffen.

Das Problem ist natürlich, es gibt dort schon eine Menge Waffen,

Mittel- und Kurzstreckenraketen, Atomwaffenlager, Atomminen -und Granaten.

Es bleibt also abzuwarten,

ob sie noch freie Plätze finden

an denen sich noch keine Waffen befinden.

Dalli,

Dalli.“

Tick- Tack,

                        Tick- Tack.     

“Und aufhören !

“ Tut mir‘ leid— aber ich muß sie jetzt stören.

Na, dann wollen wir mal.

Ich zähle hier- 108 Pershing 2 und 96 Cruise Missile- was für eine Zahl.

Ha, Ha !- Haben sie das gehört ?- Er sagte eben :‘Ich schwitze.‘

Sie sind der Meinung : Das war Spitze !“

 

Meine Damen, meine Herrn,

ich sage es nicht gern,

aber wir sind am Ende unserer Show.

Doch eines macht mich froh,

denn lassen sie mich sagen

wir sehen uns wieder- in 14 Tagen.

Heute müssen leider gehen-

Auf Wiedersehen !

 

       

 

Vermeidung einer Panik ist das oberste Gebot.

“Bleiben sie zu Hause.“, ist der Experten Rat.

Denn dann kann man sie identifizieren, sind sie dann tot

und um ihre Leiche kümmert sich dann der Staat :

 

“Hören sie, ich habe da gerüchteweise ‘was gehört,

  ich... ich bin noch ganz verstört.

  Sollen wir nicht auch die Bevölkerung aufmerksam machen,

  Broschüren, Tips oder... Hinweise geben und solche Sachen...“

“Aber um Gotteswillen- sie wissen doch...“

“Was muß man, muß man, muß man denn wissen,

  um im Krieg sterben zu müssen ?“

 

“Dann ist es also wirklich wahr ?

  Dann... dann ist es also wahr ?

  Dann müssen wir doch die Bunker aufschließen und herrichten,

  Medikamente und Lebensmittel ordnen und aufschichten...“

            “Aber um Gotteswillen- sie wissen doch...“

“Was muß man, muß man, muß man denn wissen,

  um im Krieg sterben zu müssen ?“

 

“Ich... ich kann‘s noch gar nicht richtig fassen...

  Aber... wir dürfen doch trotzdem... jetzt nicht alles sausen lassen.

  Zum Beispiel könnten wir im Radio ‘was durchgeben, gleich heute...

  Wir müssen sie doch allmählich darauf vorbereiten... die Leute...“

            “Aber um Gotteswillen- sie wissen doch...“

“Was muß man, muß man, muß man denn wissen,

  um im Krieg sterben zu müssen ?“

 

“Aber wir müssen doch etwas tun...

  Wir können doch hier nicht nur sitzen und warten und uns ausruh‘n...

  Das Warnamt... sie sollen die Sirenen anschalten, die Leute warnen,

  die doch von alledem noch gar nichts ahnen...“

            “Aber um Gotteswillen- sie wissen doch...“

“Was muß man, muß man, muß man denn wissen,

  um im Krieg sterben zu müssen ?“

 

       

 

Und dann heulen plötzlich die Sirenen auf.

„Ist ja bloß Probealarm.“, kommt den meißten in den Sinn.

Einige schauen zwar zum Himmel hinauf,

aber hören auch nur mit halben Ohren hin.

 

Man erwartet im Radio die Musik am Morgen

und eine Moderatorenstimme, weich und warm,

die freundlich sagt: „Machen sie sich keine Sorgen,

nur zur Erprobung der Sirenen dient dieser Alarm.“

 

Andere unterbrechen noch nicht eimmal ihr Mittagessen.

Beim Sender jedoch fehlt die Routine, die man sonst kennt

und man hört aus dem Radio stattdessen:

„... in den Bunker unten kommen- schnell- rennt.“

 

Stühle fallen

Tische knarren

 

Türenknallen

 

Tumult-

Schreie

 

Ein Knacken- die Studioübertragung