
Rolf Schwarz Redakteur: Klaus Hoffmann
Inhaltsverzeichnis 2
Einleitung 5
Die Anfänge - Skinheads in England 8
Gesellschaftliche Veränderungen in Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg 8
Das gesellschaftskulturelle Modell des "Centre of Contemporary Cultural Studies" 11
Skinheads und ihre Stammkultur 14
Der Skinhead-Stil und andere Jugendkulturen 17
Bricolage 18
Genealogie 19
Mods 19
Rude Boys 2o
Boot Boys 22
Skinheads und Schule 23
Rassismus, Gewalt und Kriminalität 25
Die Entwicklung der Skinheads in den 197oern 28
Skinhead-Musik 32
Politische Entwicklung der Skinheads 35
Entwicklung des Rechtsradikalismus unter den Skinheads 36
Gegenentwicklungen 39
Skinheads und Medien 4o
Fazit 42
Skinheads in Westdeutschland - Die erste Generation 45
Punks 46
Das Generationenmodell des Fußballfanprojektes "offside" 47
Fußballfans 48
Skinheads 53
Gewalt 54
Alkohol 56
Die Entwicklung des Rechtsradikalismus unter den Skinheads 57
Die Auflösung der ersten Skinhead-Generation 58
Fazit 59
Skinheads und Medien I 61
Fazit 64
Die zweite Generation der Skinheads in Westdeutschland - die Unsichtbaren 66
Einschätzungen der Skinheads durch die Medien und zeitgenössische Autoren 67
Fazit 69
Skinheads in der DDR 7o
Gründe für das Entstehen des Skinhead-Stils in der DDR 8o
Die Strafprozesse nach dem Überfall auf die Zionskirche in Ostberlin 83
Die Skinheads in den DDR-Medien 86
Erklärungen für die Entwicklung des Rechtsradikalismus unter der Skinheads 87
Individualpsychologische Ansätze 87
"Autoritäre Persönlichkeit" 87
"Deformierte Persönlichkeit" der DDR-Bürger nach Maaz 88
Sozialpsychologische Ansätze 89
Werteverfall 89
Abgrenzung vom "linken" Staat nach Brück 89
Analogie zwischen Faschismus und DDR-Stalinismus 9o
"Modernisierungsverlierer" nach Heitmeyer und Schubarth 92
Fazit 93
Die dritte Generation - Skinheads als Synonym für Rechtsradikalismus 95
Schule 1o5
Polizei und Verfassungsschutz 1o5
Justiz 114
Oi-Musik 119
Böhse Onkelz 123
Andere Skinhead-Bands 124
Infrastruktur des Rechtsrock-Musikmarktes 125
Die zukünftige Entwicklung der Skinheads 126
Fazit 127
Skinheads und Medien II 129
Fazit 136
Skinheads als Objekt der Jugendforschung 137
Exkurs: Die "Halbstarken" der 5oer 138
Begriffe der Jugendkulturforschung 144
Typologisierung von Jugendstilen 148
Rechtsradikalismusforschung 153
Theorien 153
Sozialpsychologische Ansätze 153
"Modernisierungsverlierer" nach Heitmeyer und Schubarth 154
"Dominanz"-These von Rommelspacher 155
Individualpsychologische Ansätze 156
Jugendgewalt als Ausdruck der "Unfähigkeit, mit Gefühlen umzugehen".
These nach Preuschoff und Preuschoff 157
Jugendgewalt als "Diskurs hegemonialer Männlichkeit" nach Karsten 157
Individualpsychologische Auswirkungen des Phänomens "Skinhead" auf die Bürger 158
"Ergebnisse" der Jugendforschung, im besonderen der Rechtsextremismusforschung 16o
Die "Farinisierung" der Skinheads 165
Unzulänglichkeiten akademischer Arbeiten über Skinheads 169
Fazit 173
Skinheads - die harten Fakten 174
Zahlenmäßige Entwicklung der Skinheads 174
Altersstruktur der Skinheads 18o
Erwerbsstruktur der Skinheads 181
Fazit 183
Jugendprojekte mit Skinheads 184
Streetwork 190
Akzeptierende Jugendarbeit 192
Weitere Projekte mit Skinheads 194
Fazit 198
Chronik 2oo
Schlußbetrachtung 218
Anhang 225
Bibliographie 226
Einleitung
Einer der auffälligsten Jugendstile der 9oer Jahre waren die Skinheads. Nicht nur durch einen uniformen Kleidungsstil, ihr Auftreten in Gruppen und ihr Kennzeichen, die Glatze, wurden sie verhaltensauffällig, sondern auch durch exzessiven Alkoholgenuß, eine offen nach außen zur Schau getragene Gewalttätigkeit in Verbindung mit einem unverhohlenen Rassismus. Mit einer Mischung aus Faszination und Erschrecken reagierte die Öffentlichkeit auf ein Phänomen, das nicht nur einen neuen "fremdartigen" Jugendstil symbolisierte, der sich durch seine Gewalttätigkeit auszeichnete, sondern darüber hinaus auch ein Beleg für die Verrohung der Jugend und für eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit der Gesamtgesellschaft zu sein schien.
Gerade auch wegen der beiden letzten Aspekte erschien eine große Anzahl von Publikationen, die sich mit Skinheads beschäftigten oder sich doch zumindest auf sie bezogen. Jedoch standen dieser hohen Anzahl der Veröffentlichungen nur wenige konkrete empirische Daten der Forschung gegenüber. Trotzdem beeinflußten die verschiedenen Berichte über die Skinheads nicht nur ihr Bild in der Öffentlichkeit, sondern auch die Skinheads selbst.
Die Wirkungsweise der verschiedenen Publikationen soll im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Um es ganz deutlich auszudrücken - dies ist keine Arbeit über die Skinheads selbst oder ein Versuch, ihre Geschichte darzustellen. Dazu müßte es sichere Quellen über ihre Entstehung und ihre Hintergründe geben. Gerade aber das ist zu bezweifeln. Da der Hauptteil der Arbeiten zum Phänomen "Skinhead" nach Phasen von Gewalttätigkeiten entstand, die von der Öffentlichkeit wegen ihrer scheinbaren brutalen Fremdenfeindlichkeit erschreckt zur Kenntnis genommen wurden, versuchten die Autoren, die Thesen einer Brutalisierung der Jugend oder der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit breiter Teile der Gesellschaft zu belegen oder zu bestreiten. Die Sichtweisen beziehungsweise die Darstellungen von Skinheads ordneten sich diesen Intentionen unter (- auch jene Autoren, die sich anscheinend primär mit Skinheads selbst auseinandersetzten, unterlagen der Intention, diese Gruppe von "falschen" Verdächtigungen zu entlasten. Es bestand damit die Gefahr, ihr Forschungsobjekt beschönigend darzustellen). Da eine unabhängige Charakterisierung des Skinhead-Stils und seiner verschiedenen Ausprägungen nicht primär das Augenmerk dieser Arbeit ist, wurden keine eigenen empirischen Forschungen zu dem Thema "Skinheads" durchgeführt, auch stand keine Sekundäranalyse in diesem Sinne im Vordergrund der Untersuchung.
Es geht auch nicht um die Eigenwahrnehmung der Skinheads. Daher wird auf die von Skinheads publizierten Schriften, die "Fanzines", ebensowenig eingegangen werden wie auf Skinhead-Lieder. Dieses hätte anders gelagerte Fragestellungen erfordert.
Diese Arbeit widmet sich vorrangig der Fremdwahrnehmung der Skinheads. Dabei soll neben der Darstellung der verschiedenen Aspekte und Prozesse, die diese Fremdwahrnehmung kennzeichnete, aufgezeigt werden, ob und in wieweit Stereotype in der Beschreibung der Charakteristika der Skinheads wirksam wurden.
Da in den Veröffentlichungen sich kaum die Mühe gemacht wurde, den Skinhead-Stil zu definieren, soll hier eine Definition des Begriffes "Skinhead" gegeben werden. Sie orientiert sich an einer Stellungnahme des Wissenschaftlichen Mitarbeiters der Landespolizeidirektion Hamburg, Bredthauer[1], über polizeiliche Kriterien der Zuordnung zu diesem Jugendstil. Der Skinhead-Stil ist demzufolge durch eine Kombination von bestimmten äußeren Merkmalen und Verhaltensweisen gekennzeichnet. Die äußeren Merkmale bestehen unter anderem in:
• Glatze oder Kurzhaarschnitt, teilweise durch eine Rollmütze verdeckt,
• Bomberjacke oder uniformähnlicher Kleidung, mit Analogien zu Tarnanzügen,
• schweren Stiefeln, besonders der Marke "DocMartens" oder sonstiger Arbeits- oder Militärstiefel, teilweise mit Stahlkappenbesatz.
Die Skinhead-typischen Verhaltensweisen bestehen unter anderem in:
• massivem Alkoholgenuß, dem sogenannten "Koma-Saufen",
• dem Hören von Musik wie "Oi", "Ska" oder bestimmter Gruppen und dem Tanzen des "Pogo",
• dem Lesen der Skinhead-"Fanzines",
• einer offen nach außen getragenen Gewaltbereitschaft und Gewalttätigkeit.
Rechtsradikalismus oder ähnliche extreme Ideologiemuster sind bewußt nicht in die Definition des Skinhead-Stils aufgenommen worden, da noch festzustellen, sein wird, inwieweit der Skinhead-Stil mit Rechtsradikalismus oder ähnlich menschenverachtenden Weltbildern gleichgesetzt werden kann und darf. Das geschah in der Öffentlichkeit häufig.
Bei der Definition solcher Begriffe offenbaren sich ähnliche Schwierigkeiten wie bei dem Begriff "Skinhead". Diese Schwierigkeiten beruhen jedoch nicht auf der Tatsache, daß es zu wenig Definitionsversuche gäbe, sondern im Gegenteil, weil es zu viele Definitionen gibt, die die Begriffe unter dem Raster "rechts, Rechtsradikalismus, Rechtsextremismus, Faschismus, Neofaschismus, Neonationalsozialismus" zu bestimmen versuchen. Wie aber in der Literatur freimütig zugegeben wird, gibt es keine Definition solcher "-ismen", die den Anspruch auf Allgemeingültigkeit für sich in Anspruch nehmen könne. Viele Autoren verzichten völlig auf eine Definition und verwenden diese Begriffe oft unkommentiert. Daher ist es schwierig, wenn nicht unmöglich, im Nachhinein zu bestimmen, welche Definition den verwandten Begriffen am nächsten käme.[2] Einige Autoren entwickeln eigene Definitionen, die teilweise im völligen Gegensatz zu anderen stehen. Überhaupt bleibt es fraglich, ob sich die Bezeichneten selbst irgendwelchen Definitionen anschließen würden. Immerhin streiten es viele Skinheads aus strafrechtlichen Gründen, aufgrund des Druckes der sozialen Akzeptanz oder aus Unkenntnis ab, rechtsradikal, rechtsextrem etc. zu sein, auch wenn die Autoren daran Zweifel haben.[3]
Auch wenn es aus Gründen der analytischen Klarheit durchaus wünschenswert wäre, solche Begrifflichkeiten zu differenzieren und voneinander abzugrenzen, werden "rechts, Rechtsradikalismus, Rechtsextremismus, Faschismus, Neofaschismus, Neonationalsozialismus" synonym verwandt.
Die Arbeit folgt den zeitlichen Abläufen der Geschehnisse. Dieses konnte jedoch nicht stringent durchgehalten werden, da einige Prozesse zeitgleich stattfanden, wie zum Beispiel die Entwicklung der Skinheads der zweiten Generation in Westdeutschland und das Aufkommen der Skinheads in der DDR, oder übergeordnete Aspekte beinhalten - wie das Kapitel über die Jugendforschung. Zuerst wird auf die Ursprünge des Skinhead-Stils in England eingegangen, sowie auf die Ergebnisse der Jugendforscher dort. Auf deren Analysen wurde später, bei der Beurteilung der Skinheads in Deutschland, durch die hiesigen Autoren Bezug genommen.
[1] Bredthauer (- 3)
[2] Vgl. Assheuer/ Sarkowicz, S. 1o, Baensch, S. 15, Henning, S. 64f, Ködderitzsch/ Müller, S, 9f, Merten, S. 128, Merten/ Otto, S. 117, Schneider, H., S. 71, Wahl, S. 16f
[3] Vgl. Bienewald, S. 93, Endlich, S. 93, Jugend und Sport e. V. - 1, S. 6, Jugendwerk der deutschen Shell,- 1, S. 143, Ohder, S. 152, Schneider, T.- 1, S. 4of, Stock/ Mühlberg, S. 22, Verfassungsschutzbericht 1992, S, 83, Willems, S. 174