Chronik (Februar 1983 - Juli 1993)

 

Diese Chronik von Skinhead-Gewalttaten kann nicht den Anspruch erheben, vollständig zu sein. Das hat mehrere Gründe: Einerseits liegt es daran, daß von Beginn bis weit über die Mitte der 8oer Jahre Skinheads und deren Gewalttaten nur sporadisch im Interesse von Medien und Behörden standen (vergleiche Verfassungsschutzberichte 1982-1993), und somit keine systematische Dokumentation ihrer Aktivitäten vorgenommen wurde. Ein solcher Versuch wurde erst seit Beginn der 9oer Jahre ernsthaft in Angriff genommen.[1] Daher kann vermutet werden, daß Skinhead-Gewalt zu Beginn der 8oer Jahre teilweise im Umfeld von Fußballrandale "unterging" (vergleiche Kapitel: Skinheads in Westdeutschland - Die erste Generation) oder unter der Rubrik "Übergriffe von gewalttätigen Jugendbanden" subsumiert wurde.

Andererseits spielen Unstimmigkeiten in den unterschiedlichen Quellen eine Rolle bei der Definition des Begriffes "Skinhead", weshalb es schwierig ist, im Nachhinein bestimmte Taten allein Skinheads zuzuordnen und nicht etwa "Fußballfans", "Hooligans", "Faschos", "Rechtsextremisten" oder "Neonazis". Zwar wurden in diese Chronik nur Straftaten aufgenommen, die in den Quellen ausdrücklich Skinheads zugewiesen wurden, aber viel zu häufig wurden die obengenannten Kategorien unterschiedslos auf Skinheads und Neonazis angewandt - man denke an den Brandanschlag in Mölln im November 1992: in einigen Quellen wurde er Skinheads zugerechnet[2], während eine andere Quelle[3] die Täter als Neonazis beschreibt. Die taz enthielt sich einer Kategorisierung der Täter und hob somit eher deren "Normalität" hervor.[4] Die obengenannten Kategorien können, müssen aber nicht deckungsgleich sein.

Die rasante Zunahme der registrierten Skinhead-Straftaten seit der Wiedervereinigung Deutschlands muß also nicht unbedingt bedeuten, daß es tatsächlich zu einer verstärkten Radikalisierung der einzelnen Skinhead-Generationen seit Beginn der 8oer Jahre kam. Die Zunahme kann zu einem gewissen Teil auch darin begründet sein, daß einerseits der Begriff "Skinhead" inflationärer verwandt wurde, andererseits die Gesellschaft gegenüber dem gewalttätigen Verhalten der Skinheads zunehmend sensibler reagierte.

Trotz dieser Überlegungen soll der Versuch einer Chronik der Skinhead-Straftaten unternommen werden, denn auch, wenn die Liste unvollständig oder in einigen Fällen ungenau sein sollte, belegt sie doch, daß es seit dem Auftauchen von Skinheads Anfang der 8oer Jahre zu teilweise erheblichen Straftatbeständen kam:

28.o2.1983: 6o Skinheads überfallen das Jugendzentrum Hammer Park in Hamburg.[5]

24.o7.1983: Eine 17jährige Türkin wird von einem Skinhead niedergestochen, nachdem sie die Frage bejaht hat, ob sie Türkin sei.[6]

28.o7.19983: 4o Skinheads schlagen eine Jugendgruppe auf dem Priwall in Lübeck zusammen. Ein Mädchen wird bewußtlos ins Krankenhaus gebracht und wacht erst am nächsten Tag wieder auf, einem anderen Mädchen werden fünf Zähne mit einem Bambusknüppel ausgeschlagen.[7]

September 1983: Mehrere Skinheads verüben einen Überfall auf eine türkische Gaststätte in Kaiserslautern, bei dem ein Türke lebensgefährlich verletzt wird. Im Dezember werden einige der Tatbeteiligten wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Verwendung von NS-Parolen zu Freiheitsstrafen bis zu 18 Monaten verurteilt.[8]

Dezember 1983: Skinheads und Neonazis stören Volkshochschulveranstaltungen in Köln derart, daß die geplante Vorführung von NS-Filmen abgebrochen werden muß.[9]

o3.o2.1984: Etwa 1oo bis 15o Skinheads haben sich anläßlich eines Punk-Konzerts in der "Fabrik" in Hamburg zusammengefunden, um die Besucher zu bedrohen. Daraufhin nimmt die Polizei 86 Skinheads fest.[10]

22.o3.1984: Im Frankfurter Hauptbahnhof wird in der Nacht zum Montag ein 22jähriger Mann Opfer eines von Skinheads ausgeführten brutalen Raubüberfalls.[11]

13.o4.1984: Ein Lübecker Antifaschist wird von Skinheads krankenhausreif geschlagen.[12]

13.o4.1984: In der Lübecker Kneipe "Marionette" werden zwei Frauen aus dem Alternativspektrum von etwa 15 bis 2o Skinheads bedroht. Als die Frauen aus der linken Szene Unterstützung erhalten, kommt es zu einer Schlägerei, bei der die Skinheads mit Flaschen, Aschenbechern und Baseballschlägern auf ihre Gegner einschlagen. Dabei wird einer der Angegriffenen schwer verletzt.[13]

28.o4.1984: Anläßlich des Landesparteitages der NPD in Wiehl (Nordrhein-Westfalen) treten annähernd 1oo Skinheads als Schutztruppe auf. Sie demolierten Autos und schlagen brutal auf - zum Teil ältere - Gegendemonstranten ein.[14]

o1.o9.1984: Skinheads greifen zusammen mit Neonazis in Bonn eine Gruppe von Punkern an, schlagen mit Eisenketten und Schlagstöcken auf sie ein und verletzen vier von ihnen zum Teil schwer.[15]

15.o1.1985: 5o Skinheads überfallen ein Konzert der Punk-Gruppe "Toy-Dolls" in der Markthalle in Hamburg.[16]

22.o2.1985: Zwei Skinheads sprechen in Hamburg die 23jährige Shirin an, ob sie Ausländerin sei. Als sie bejaht, schlagen sie mit einer vollbepackten Schultasche auf sie ein. Die anwesenden Passanten schauen zu.[17]

24.o7.1985: Drei Skinheads erschlagen in Hamburg den 29jährigen Türken Mehmet Kaynakci mit einer zentnerschweren Gehwegplatte.[18] Sie gestehen nach ihrer Verhaftung die Tat und meinen lakonisch: "Wir wollten den Türken fertigmachen."[19]

o7.o8.1985: Bei den "Chaos-Tagen" der Hafenstraße in Hamburg treten rechtsradikale Skinheads auf - einige sind mit Pistolen bewaffnet.[20]

17.o9.1985: Anläßlich eines Skin-Konzertes in Lübeck, zu dem 5oo Skinheads teilweise auch aus dem Ausland anreisten, schlagen einige Skinheads Jugendliche aus der Umgebung zusammen.[21]

21.12.1985: Skinheads jagen in Hamburg mehrere Türken. Einer von ihnen, Ramazan Avzi, stürzt dabei vor ein fahrendes Auto, auf den am Boden liegenden Avzi schlagen die Skinheads mit Schlagstöcken so ein, daß er 3 Tage später stirbt.[22] Am 1. Juli 1986 verurteilt das Gericht fünf der Täter zu Freiheitsstrafen zwischen einem und zehn Jahren, und zwar nicht wegen Mordes, sondern wegen Totschlags, da der Tat keine ausländerfeindlichen Motive zugrunde gelegen hätten.[23]

o2.o2.1987: Der Skinhead Roger Bornemann wird von seinen Skinhead-Freunden erschlagen.[24]

14.o3.1987: Mehrere Skinheads werfen zwei Molotowcocktails gegen ein Asylantenheim in Hanau und sprühen ausländerfeindliche Parolen an die Hauswand.[25]

16.o3.1987: Skinheads setzen vor dem Büro der Kreistagsfraktion  der "Grünen" einen PKW in Brand.[26]

17.1o.1987: In Ostberlin überfallen 3o Skinheads, teilweise aus dem Westen angereist, Besucher eines Konzertes in der Zionskirche, seit Jahren Zufluchtsstätte der DDR-Opposition (vergleiche Kapitel: Skinheads in der DDR).

3o.o3.1988: Vier Skinheads erschlagen in Kellinghusen die ausländische Freundin des Vaters von einem der Tatbeteiligten bei einem Saufgelage in ihrer Wohnung.[27]

Januar - März 1988: Skinheads schänden mehrmals den historischen Jüdischen Friedhof in Ostberlin.[28]

21.o6.1988: Etwa 4oo "Hooligans" und Skinheads überfallen nach einem Fußballspiel die besetzten Häuser der Hamburger "Hafenstraße".[29]

12.o8.1988: Bei einer Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe von Skinheads und Punkern auf einem Volksfest in Lübbecke sticht ein Skinhead auf einen Punker ein.[30]

31.o4.1989: Fünf Skinheads richten einen dunkelhäutigen Mann in einem S-Bahn-Zug auf der Fahrt von Bad Cannstatt nach Schorndorf übel zu. Sie bespucken grundlos den 23jährigen Mann, der gehörlos ist, rempeln ihn an und schlagen ihn. Als er seinen Schwerbehindertenausweis zeigen will, wird der ihm entrissen.[31]

27.o6.1989: Am Morgen wird in Gelsenkirchen-Erle ein 59jähriger, dem Stadtstreichermilieu zuzurechnender Mann mit schwersten Kopf- und Brustverletzungen aufgefunden. Zwei Skinheads werden später verhaftet, von denen einer geständig ist.[32]

2.o7.1989: Feiernde Skinheads beschießen aus einem Kornfeld bei Wiershausen einen Streifenwagen.[33]

17.o8.1989: In Bielefeld greifen Skinheads eine Gruppe von Punkern an und schlagen mit Schlagwerkzeugen auf sie ein. Vier Punker werden mit zum Teil erheblichen Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.[34]

o9.o9.1989: Nachmittags bewerfen Skinheads im Göttinger Cheltenham Park drei Leute mit Bierflaschen. Später greifen zehn vermummte Skinheads eine Frau mit Baseballschlägern an. Sie kann entkommen. Im Laufe des Abends wird eine 17jährige Frau durch Schläge mit Baseballschlägern erheblich verletzt: ein Arm- und ein Nasenbeinbruch sowie Rippenprellungen sind die Folge.[35]

o9.o9.1989: Nachdem sich ungefähr 2oo Skinheads zum "Koma-Saufen" in Ravensburg treffen, kommt es zu Schlägereien zwischen ihnen. Nach einer Weile beschließen sie jedoch, lieber im nächstgelegenen Jugendzentrum "Punks und Linke zu klatschen". Gut drei Dutzend Skinheads folgen dieser Aufforderung, fahren völlig betrunken im Autokonvoi durch Ravensburg und stürzen sich mit Knüppeln, Baseballschlägern und "Rotfront-verrecke"-Parolen auf die anwesenden Jugendhausbesucher. 24 Skinheads müssen sich später dafür vor Gericht verantworten.[36]

23.o9.1989: 6o Skinheads, darunter angereiste, halten in Göttingen Autos an. Auf das "Junge Theater" wird nach einem Hausverbot gegen einen Skinhead ein Brandanschlag verübt.[37]

24.o9.1989: Am Bahnhof in Göttingen wird ein Kameruner von Skinheads verprügelt.[38]

11.1o.1989: Skinheads randalieren im Göttinger Jugendzentrum und werfen Scheiben ein.[39]

27.1o.1989: Skinheads überfallen in Göttingen die "Tangente", drei Personen werden verletzt.[40]

25.11.1989: Ein Jugendlicher wird in Göttingen von einem Skinhead  niedergestochen und schwer verletzt.[41]

Dezember 1989: In Erfurt bedrohen vier Skinheads mit Schlagwerkzeugen Passanten.[42]

Dezember 1989: Skinheads greifen im Jugendtouristhotel "Freundschaft" in Frankfurt/ Oder polnische Gastarbeiterinnen an, weil diese nach Ansicht der Skinheads "nicht arisch" sind.[43]

März 199o: Bei Villingen-Schwenningen liefern sich Skinheads mit jugendlichen DDR-Übersiedlern eine Schlägerei.[44]

März 199o: Nach einem Fußballspiel im Friedrich-Ludwig-Jahn-Volkspark in Ostberlin randalieren etwa 2oo rechtsgerichtete Skinheads und ziehen, nazistische Parolen gröhlend, zum Alexanderplatz. Unterwegs werden Passanten angepöbelt und Schaufenster zertrümmert.[45]

o9.o3.199o: Etwa 5o Skinheads überfallen nachts, bewaffnet mit Äxten, Latten, Eisenketten und CS-Gas, ein Flüchtlingsheim in Essen, in dem vor allem Libanesen, Sinti und Roma wohnen. Das Erdgeschoß wird verwüstet, ein Kind verletzt, zwei weitere werden unter Schock ins Krankenhaus gebracht.[46]

31.o3.199o: In Nienburg (Weser) greift eine Gruppe von Skinheads einen Tamilen an. Vier Passanten, darunter eine schwangere Frau, die dem Tamilen zu Hilfe eilen, werden von den Skinheads erheblich verletzt.[47]

April 199o: Ende des Monats kommt es zu schweren Auseinandersetzungen von etwa 1ooo Skinheads an mehreren Orten in Thüringen und Niedersachsen, bei denen vier Polizisten und fünf Passanten verletzt werden. Die Krawalle beginnen an einem Samstagabend in der Grenzstadt Nordhausen in der DDR und dehnen sich auf die niedersächsischen Städte Duderstadt, Göttingen und Nordheim aus. Anlaß ist ein von der Stadt Nordhausen abgesagtes Skinhead-Konzert.[48]

April 199o: Am gleichen Wochenende randalieren etwa 25 Skinheads im Intershop der Autobahnraststätte Freienhufen (DDR).[49]

April 199o: Anläßlich des Geburtstages von Hitler kommt es zum Aufmarsch von Skinheads auf dem Alexanderplatz in Ostberlin. Die eher ratlose Polizei wird mit Flaschen und Steinen beworfen.[50]

April 199o: Nach einem Oberligafußballspiel wird ein Lokal in Ostberlin, das meist von Homosexuellen besucht wird, von Skinheads gestürmt. Es kommt zu Sachschaden. Im Stadtbezirk Prenzlauer Berg überfallen Skinheads mehrere Jugendklubs.[51]

April 199o: Im D-Zug von Erfurt nach Ostberlin prügeln zehn Skinheads Mitfahrende mit Schlagstöcken. Sie hetzen einen Vietnamesen durch den Zug, der den Schlägen dadurch zu entgehen sucht, daß er sich an die Außenseite eines Waggons des fahrenden Zuges klammert.[52]

13.o4.199o: In Bremen überfallen Skinheads einen Linienbus mit vorwiegend türkischen Staatsangehörigen. Sie versuchen, diese zum Aussteigen zu zwingen. Als das nicht gelingt, schlägt einer der Skinheads einem Türken mit einem Baseballschläger ins Gesicht.[53]

Mai 199o: In Markdorf nimmt die Polizei einige Skinheads fest, die mit Messern, Gaspistolen, Würgekreuzen und Schlagstöcken eine türkische Familie auf einem Grillplatz bedrohen.[54]

Mai 199o: In Magdeburg werden Ende des Monats jugendliche Punks von etwa 2o Skinheads brutal mit Baseballschlägern zusammengeschlagen.[55]

12.o5.199o: In Türkheim (Bayern) schänden Skinheads den KZ-Friedhof. Dafür werden drei Skinheads am 3o. Januar und 4. Februar 1991 unter anderem zu Freiheitsstrafen zwischen zehn Monaten und eineinhalb Jahren verurteilt.[56]

Juni 199o: Ungefähr 15o Skinheads überfallen in Berlin-Oranienburg das Multinationale Zentrum "Kunsthaus Tacheles". Sie werfen Molotowcocktails und schlagen mit Eisenstangen auf die Gäste ein. Es gibt zahlreiche Verletzte.[57]

28.o7.199o: Drei Skinheads schänden einen jüdischen Friedhof in Stuttgard-Bad Cannstadt. Wegen Störung der Totenruhe und Volksverhetzung erhalten am 27.o1.1992 zwei der Skinheads Jugendstrafen von jeweils zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden. Der dritte Skinhead wird zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.[58]

14.o8.199o: Ein 27jähriger Student aus Madagaskar wird von fünf Skinheads in der S-Bahn in Ostberlin überfallen und niedergestochen.[59]

21.o8.199o: In Ostberlin werden in der S-Bahn vier Vietnamesen von etwa acht Skinheads mit Knüppeln und einem Beil zusammengeschlagen und ausgeraubt.[60]

September 199o: Ein Skinhead pöbelt in Dresden einen 15jährigen Jungen an und schlägt ihn zusammen, da er in ihm einen "Linken" zu erkennen glaubt.[61]

September 199o: Die Polizei informiert den Wirt des Lokals "Hüttengasthaus" in Dresden über den Anmarsch von 4o bis 5o Skinheads. Die vorwiegend farbigen Gäste werden bei dem Versuch, das verbarrikadierte Gasthaus nach einer Stunde zu verlassen, von den Skinheads angegriffen und zusammengeschlagen. Polizisten verfolgen das Geschehen aus der Distanz, sehen aber keine Veranlassung, einzugreifen.[62]

September 199o: 25 Skinheads dringen gewaltsam in ein Jugendzentrum in Erfurt ein. Die Polizei nimmt zehn von ihnen vorübergehend fest.[63]

September 199o: Während eines Volksfestes im Stadtzentrum in Leipzig marschieren 2oo teilweise vermummte Skinheads auf den Markt. Sie bedrohen ungehindert Passanten mit Tränengasrevolvern und brüllen nazistische Parolen.[64]

September 199o: In Magdeburg verprügeln rechtsradikale Skinheads Passanten mit Baseballschlägern.[65]

o5.o9.199o: Eine sowjetische Militärstreife in Magdeburg wird von Skinheads angegriffen.[66]

13.1o.199o: Skinheads schänden die jüdischen Friedhöfe in Vaihingen an der Enz und in Markgrönungen-Unterriexingen (Baden-Württemberg).Für diese und andere Vergehen werden vier Skinheads am 8. Februar 1991 zu Freiheitsstrafen von drei Jahren und neun Monaten beziehungsweise zwei Jahren und neun Monaten verurteilt.[67]

November 199o: Ein Jugendlicher fällt in Ostberlin auf dem Alexanderplatz Skinheads in die Hände, die ihn mit dem Mund auf die Bordsteinkante legen und ihm mit einem Tritt auf den Kopf das Gebiß zerstören.[68]

o3.11.199o: Im Umfeld eines Fußballspieles in Leipzig kommt es zu Ausschreitungen von Fußballfans, "Hooligans" und Skinheads, in deren Verlauf die Polizei den 18jährigen Mike Polley erschießt.[69]

o3.11.199o: In Bonn wird von mutmaßlichen Angehörigen der Skinhead-Szene ein somalischer Staatsangehöriger mit Schlagstöcken zusammengeschlagen. Dabei rufen die Täter "Niggerschweine raus".[70]

13.11.199o: In einem von Angehörigen der sowjetischen Armee bewohnten Haus in Erfurt wird der Haupthahn der Gasversorgung abgeschraubt. Eine Explosion kann durch die Umsicht eines Hausmeisters verhindert werden. Der Tat verdächtig sind Skinheads.[71]

17.11.199o: Nach einer Schlägerei zwischen Autonomen und Skinheads in Göttingen, bei der die Polizei eingreift, wird eine Studentin, die sich der Personenfeststellung entziehen will und wegläuft, von einem Auto erfaßt und tödlich verletzt.[72]

24.11.199o: 2o Skinheads demolieren in Eberswalde (Brandenburg) den Verkaufswagen eines türkischen Händlers.[73]

25.11.199o: Rund 6o Skinheads greifen in einer Diskothek in Eberswalde-Finow (Brandenburg) Afrikaner an. Der Angolaner Antonio Amadeu Kiowa erliegt am 6. Dezember seinen schweren Verletzungen.[74] Fünf der Täter werden am 14. September 1992 wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu Jugendstrafen zwischen zwei und vier Jahren verurteilt. In einem Fall wird die Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt.[75] Ein weiterer Täter wird wegen Landfriedensbruch in besonders schwerem Fall und gefährlicher Körperverletzung unter Einbeziehung zweier Vorstrafen zu einer Einheitsjugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Eine Beteiligung an der Tötung des Angolaners kann dem Angeklagten nicht mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden.[76]

25.11.199o: Drei Skinheads verüben einen Brandanschlag auf eine türkische Moschee in Herten (Nordrhein-Westfalen).[77] Sechs Skinheads werden am 3. Dezember 1991 wegen versuchter schwerer Brandstiftung, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung aufgrund wechselnder Tatbeteiligung zu Jugendstrafen beziehungsweise Freiheitsstrafen zwischen einem und vier Jahren verurteilt.[78]

Dezember 199o: In Dresden wird das In-Cafe der linken Szene "Bronxx" von Skinheads zerstört, und im "Café 1oo" zertrümmern sie die Einrichtung.[79]

o1.12.199o: Acht Skinheads sollen einen Molotowcocktail gegen das Asylantenwohnheim in Herten (Nordrhein-Westfalen) geworfen haben.[80]

o5.12.199o: In den Schlafraum eines Asylantenwohnheims in Würselen (Kreis Aachen) wird ein Molotowcocktail geworfen. Der Tat verdächtig sind Skinheads.[81]

28.12.199o: Ein 18jähriger Skinhead ersticht in Hachenburg (Rheinland-Pfalz) den 17jährigen kurdischen Asylbewerber Nihad Yussufoglu.[82] Der Täter wird am 25. Februar 1992 wegen Totschlags mit bedingtem Vorsatz zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.[83]

31.12.199o: In der Neujahrsnacht erstechen zwei Skinheads einen Bundeswehrsoldaten in Zivil.[84] Dafür wird am 19. Dezember 1991 einer der Täter wegen gefährlicher Verletzung mit Todesfolge zu sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt, sein Mittäter bekommt vier Wochen Dauerarrest.[85]

o5.o2.1991: Zwei Skinheads, die zunächst vorgeben, Polizeibeamte zu sein, dringen in ein Zimmer einer Asylantenunterkunft in Reutlingen ein und traktieren deren Bewohner mit Faustschlägen und Fußtritten.[86]

23.o2.1991: In Friedrichshaven kommt es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Skinheads und türkischen Staatsangehörigen, in deren Verlauf die Skinheads in ein Jugendhaus eindringen, gezielt auf Ausländer einschlagen und Tränengas versprühen. Drei Türken werden im Gesicht verletzt.[87]

29.o2.1991: Während eines Skinhead-Konzerts in Plankstadt (mit 6o Besuchern) und einer türkischen Hochzeitsfeier, die in unmittelbarer Nähe hiervon stattfindet, entwickelt sich nach vermutlich beiderseitigen Provokationen eine Massenschlägerei. An den gewalttätigen Auseinandersetzungen, die erst durch ein starkes Polizeiaufgebot aus benachbarten Bundesländern beendet werden können, sind insgesamt etwa 15o Personen beteiligt.[88]

19.o3.1991: Fünf  Skinheads  schneiden in Lübeck (Schleswig-Holstein) einem 16jährigen ein Hakenkreuz in den Unterarm.[89]

19.o3.1991: Weil sie einen dunkelhäutigen Freund hat, wird eine Frau nach dem Verlassen eines Lokals in Reutlingen von zwei Skinheads festgehalten, während ein Dritter auf sie einschlägt.[90]

31.o3.1991: Skinheads werfen in Dresden den Mosambikaner Jorge Joao Gomodai kopfüber aus einer Straßenbahn, nachdem sie ihn angegriffen hatten. Das Opfer erliegt später seinen Verletzungen.[91] Einer der Täter wird am 29. Oktober 1993 wegen fahrlässiger Tötung und schwerer Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.[92]

April 1991: In Berlin-Hohenschönhausen dringen Skinheads in ein Vietnamesenwohnhein ein und greifen die Bewohner tätlich an. Die spät eintreffende Polizei wendet sich vor allem gegen die Opfer und erstattet gegen einen der Angegriffenen wegen "unerlaubten Waffenbesitzes" Anzeige. Bei den Skinheads beschränkt sie sich darauf, die Personalien festzustellen.[93]

April 1991: Ein polnischer Bus wird in Frankfurt/Oder von Skinheads mit Pflastersteinen beworfen, ein 17jähriges Mädchen von einem der Steine am Rücken verletzt.[94]

April 1991: Etwa 3o Skinheads blockieren in der südlich von Berlin gelegenen Ortschaft Großberen die Bundesstraße und belästigen Autofahrer.[95]

o2.o4.1991: In Weißenburg überfallen Skinheads mehrere Personen und verletzen sie schwer. Dafür werden zwei der Täter am 5. März 1992 zu Jugendstrafen von vier Jahren und sechs Monaten beziehungsweise zwei Jahren neun  Monaten verurteilt.[96]

o4.o4.1991: In Weiden bei Aachen (Nordrhein-Westfalen) verletzen zwei Skinheads drei nigerianische Asylbewerber.[97]

o6.o4.1991: Nachdem ein ursprünglich in Nellingen geplantes Skinhead-Konzert kurzfristig in ein Lokal nach Stuttgart verlegt wird, kommt es durch einen Teil der etwa 8o Skinheads - die keinen Platz mehr in der Gaststätte gefunden haben - zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.[98]

o8.o4.1991: In der Nacht auf den 9. April, als polnische Bürger wieder die Möglichkeit haben, ohne Visum nach Deutschland einzureisen, blockieren in Görlitz 15 teilweise vermummte Skinheads eineinhalb Stunden die Grenzabfertigung im Ort.[99]

2o.o4.1991: In Bremen greifen Skinheads eine israelische Schülergruppe aus Haifa an.[100]

28.o4.1991: In Jüterborg (Brandenburg) fallen Skinheads mit Messern, Knüppeln und Schlagringen über eine Gruppe von Ausländern her.[101]

Mai 1991: In Arnstadt kann ein nepalesischer Asylbewerber sich nur durch Flucht in das Ausländerheim vor Skinheads retten. Die Verfolger geben erst auf, als die Polizei auftaucht.[102]

Mai 1991: In Berlin-Köpenick werden die Fahrgäste eines städtischen Busses von Skinheads bedroht und verprügelt. Zehn Jugendliche werden verhaftet. In der Gaststätte "Rübezahl" am Köpenicker Müggelsee randalieren 6o bis 7o Skinheads. Sie pöbeln Gäste an und schlagen auf sie ein. Sechs Personen können von der Polizei festgenommen werden.[103]

Mai 1991: In Dresden ist eine Gaststätte, die vor allem von Ausländern besucht wird, Ziel eines Überfalls von Skinheads.[104]

Mai 1991: 15 Skinheads überfallen in Görlitz auf einem Autorastplatz ein polnisches Ehepaar und schlagen es zusammen. Die polnischen Touristen müssen in ein Krankenhaus  eingeliefert werden.[105]

Mai 1991: Rund 1oo mit Baseballschlägern und Eisenstangen bewaffnete Skinheads liefern sich in Berlin-Friedrichshain mit der Polizei eine Straßenschlacht. 3o Jugendliche werden festgenommen. Ursprünglich wollten die Skinheads gegen autonome Linke vorgehen.[106]

Mai 1991: Auf dem Campingplatz des in Thüringen gelegenen Ortes Kelbra greifen etwa 2o Skinheads die Camper mit Baseballschlägern, Messern, Wurfsternen und Schreckschußpistolen an.[107]

Juni 1991: In Dresden überfallen aus einem Auto heraus Skinheads einen afrikanischen Studenten und setzen ihm ein Messer an die Kehle. Eine Gruppe Punks kommt  dem Mosambikaner zu Hilfe.[108]

Juni 1991: Ein 35jähriger Mann wird in der Nähe des Hauptbahnhofes in Dresden von einem Skinhead so schwer mit Stiefeltritten attackiert, daß er aus der Straßenbahn stürzt. Das Opfer wird mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert und stirbt nach einer Woche. Der Täter kann unbehelligt flüchten.[109]

15.o6.1991: Ein 18jähriger Skinhead tötet in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) einen 34jährigen angolanischen Flüchtling mit drei Messerstichen.[110] Dafür wird er am 12. Februar 1992 zu einer Jugendstrafe von fünf Jahren verurteilt.[111]

o6.o7.1991: Während eines Grillfestes mehrerer türkischer Staatsangehöriger in Ostfildern-Ruit, an dem auch ein Deutscher teilnimmt, erscheinen vier Skinheads und verwickeln die Anwesenden in Tätlichkeiten, die zu schweren Körperverletzungen auf beiden Seiten führen. Der zunächst unbeteiligte Deutsche wird von einem Skinhead durch Messerstiche verletzt.[112]

2o.o7.1991: In Hamburg treten drei Skinheads mit ihren Springerstiefeln auf einen Türken ein und verletzen ihn lebensgefährlich.[113]

21.7.1991: 15 Skinheads überfallen in Nordheim (Niedersachsen) drei Ausländer in einem Auto und verletzen eines der Opfer.[114]

o8.o8.1991: Skinheads verwüsten in Leipzig den Wohnwagen einer Prostituierten und rammen mit ihren Autos vier weitere Wohnwagen. Vier Zuhälter werden in ihren Autos von unbekannten Skinheads beschossen, zwei der Zuhälter erleiden Schußverletzungen.[115]

3o.o8.1991: Auf dem Berliner S-Bahnhof Rummelsburg schlagen Skinheads zwei Algerier brutal zusammen.[116]

o3.o9.1991: In Wilthen (Sachsen) hindert die Polizei zehn Skinheads daran, ein Wohnhaus für Vietnamesen zu überfallen.[117]

o7.o9.1991: Mit zum Teil rußgeschwärzten Gesichtern überfallen sieben Skinheads in Metzingen einen Jugendklub und zertrümmerten die Einrichtung, weil sie dort einen Treffpunkt von Personen des "linken" Spektrums sowie Rauschgiftkonsumenten vermuteten.[118]

15.o9.1991: 6o Skinheads überfallen in Freital (Sachsen) ein Wohnheim für Vietnamesen mit Ketten und Eisenstangen. Zwei Vietnamesen werden verletzt.[119]

17.- 22.o9.1991: Unter Beifall der Anwohner greifen in Hoyerswerda (Sachsen) Neonazis und Skinheads mit Brandsätzen, Stahlkugeln und Steinen ein überwiegend von rumänischen Sinti und Roma bewohntes Asylbewerberheim an und verletzten mindestens 3o Flüchtlinge.[120]

21.o9.1991: Vier Skinheads überfallen auf Parkplätzen bei Briesen und in Alt-Glienicke polnische und rumänische Staatsangehörige, schlagen sie mit Knüppeln, treten und berauben sie. Weiterhin beschädigen die Skinheads einen polnischen Reisebus. Dafür werden sie am 29. Januar 1992 wegen schweren Raubes, Körperverletzung und Sachbeschädigung zu je drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.[121]

o2.1o.1991: Zwei Skinheads begehen eine versuchte schwere Brandstiftung auf eine Asylbewerberunterkunft in Stadthagen (Niedersachsen).[122]

o2.1o.1992: Ein türkischer Staatsangehöriger wurde von mehreren Skinheads, darunter einer weiblichen Person, in Mannhein so zusammengeschlagen, daß er sich später zwei Operationen unterziehen muß.[123]

o3.1o.1991: In Hünxe wird von Skinheads eine Asylbewerberunterkunft in Brand gesetzt, wobei zwei libanesische Mädchen schwer verletzt werden.[124] Dafür werden am 26. Mai 1992 zwei Skinheads wegen schwerer und gefährlicher Körperverletzung, schwerer Brandstiftung sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz zu Jugendstrafen von fünf Jahren verurteilt.[125]

o5.1o.1991: In Brühl (Baden-Württemberg) attackieren 2o Skinheads drei Nigerianer und verletzen diese schwer.[126]

o5.1o.1991: Fünf Skinheads versuchen eine Aussiedlerunterkunft in Kamp-Lintfort in Brand zu setzen. Dafür werden sie am 4. Februar 1992 zu Freiheitsstrafen von eineinhalb und fünf Jahren verurteilt.[127]

o6.1o.1991: In Stadthagen (Niedersachsen) wird ein Asylbewerber von sechs Skinheads zusammengeschlagen und beraubt.[128]

o8.1o.1991: Ein Spielplatz in Aerzen (Niedersachsen) wird von Skinheads mit Hakenkreuzen, SS-Runen und ausländerfeindlichen Parolen beschmiert.[129]

12.1o.1991: In der Stadtbahn von Rostock nach Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern) greifen Skinheads einen Uruguayer an und fügen ihm Stich- und Schnittwunden zu.[130]

12.1o.1991:  In Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) schlagen Skinheads einen marokkanischen Studenten zusammen und brechen ihm die Finger.[131]

13.1o.1991: Drei Skinheads verursachen in einem Asylbewerberwohnheim in Immenstadt (Bayern) einen Brand. Ein Asylbewerber zieht sich bei einem Sprung aus dem Fenster Knochenbrüche und erhebliche Brandverletzungen zu.[132] Am 26. März 1992 werden die Täter zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren beziehungsweise zu Jugendstrafen von jeweils drei Jahren und sechs Monaten verurteilt.[133]

21.1o.1991: Fünf Skinheads schlagen in einem Linienbus in Trier (Rheinland-Pfalz) zwei Männer zusammen, die sich schützend vor  zwei Farbige stellen.[134]

22.1o.1991: In Trier beleidigen einige Skinheads farbige Omnibuspassagiere und schlagen andere Fahrgäste zusammen, die sie deshalb zurechtweisen. Fünf Skinheads werden daraufhin am 2. Dezember 1991 wegen schwerer Körperverletzung, Beleidigung, Volksverhetzung, Landfriedensbruchs und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in wechselnder Tatbeteiligung zu Freiheitsstrafen zwischen zehn und 21 Monaten verurteilt.[135]

23.1o.1991: In Nienburg wird eine farbige Person von Skinheads zusammengeschlagen.[136]

17.11.1991: In Dresden wird ein 34jähriger von Skinheads aufgefordert, den Hitlergruß zu zeigen und "Heil Hitler" zu rufen. Als dieser sich weigert, wird er von vier Skinheads über die Brüstung der Marienbrücke in die Elbe geworfen, wobei er sich lebensgefährliche Verletzungen zuzieht.[137]

17.11.1991: In Chemnitz greifen Skinheads Wohnwagen von Prostituierten an.[138]

19.11.1991: In Hagen versuchen fünf männliche und zwei weibliche Skinheads in eine Asylbewerberunterkunft einzudringen. Sie brüllen fremdenfeindliche Parolen, und schlagen die Verglasung der Türen ein.[139]

22.11.1991: In der S-Bahn zwischen Stuttgart und Bietigheim wird ein körperbehinderter junger Mann von einem Skinhead zusammengetreten. Von den anderen Fahrgästen greift keiner ein.[140]

24.11.1991: Mit Knüppeln bewaffnete Skinheads überfallen ein Wohnheim in Wittgensdorf (Sachsen).[141]

3o.11.1991: Zwei 19jährige Skinheads greifen unter "Ausländer raus"-Rufen israelische Touristen in einem Brandenburger Supermarkt an.[142]

o1.12. 1991: In Hohenselchow, Brandenburg, wird ein 3o-jähriger Mann von Skinheads aus seinem Auto gezerrt und anschließend so schwer verletzt, daß er wenig später daran stirbt. Ein Täter wird zu vier Jahren Haft verurteilt, sechs weitere Tatbeteiligte zu Bewährungsstrafen von sechs bis 16 Monaten verurteilt.[143]

14.12.1991: Nach einem Wortgefecht wird in Brake ein Ausländer von einem Skinhead zusammengeschlagen.[144]

21.12.1991: In Lüdinghausen werden von vier Skinheads die Scheiben der Eingangstür einer Asylantenunterkunft durch Steinwürfe zertrümmert. Ein libanesischer Asylant stellt die Täter zur Rede und versucht, einen der Täter festzuhalten. Daraufhin schlagen die übrigen Täter mit einem Knüppel und einem abgebrochenen Flaschenhals auf den Asylanten ein, der leichte Verletzungen erleidet.[145]

22.12.1991: Eine Gruppe von 3o Skinheads tritt die Fensterscheiben und die Tür eines Asylbewerberheims in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) ein. Eine schwangere Bewohnerin des Hauses erleidet einen Schock. Am Abend ziehen die Skinheads randalierend durch Oberhausens Straßen und schlagen einen 17jährigen Türken brutal zusammen.[146]

28.12.1991: Ein 18jähriger Skinhead ersticht in Hachenburg bei Bonn den gleichaltrigen Türken Nihad Yosuföglu.[147]

o3.o1.1992: In Klein-Mutz, Brandenburg, wird ein 19-jähriger Mann wegen einer Lappalie von etwa 15 Skinheads angegriffen und zusammengeschlagen. Das Opfer stirbt vor dem Eintreffen des Notarztes.[148]

o5.o1.1992: In Sprockhövel-Haßlinghausen (Nordrhein-Westfalen) bedrohen acht Skinheads Asylbewerber mit Pistolen und Springmessern.[149]

o5.o1.1992: In Gransee (Brandenburg) wird ein 18jähriger von 15 Skinheads totgeprügelt.[150]

17.o1.1992: In Berlin-Moabit schneiden Skinheads einem jungen Polen auf offener Straße mit einer Gartenschere ein Stück der Zunge ab.[151]

18.o1.1992: In Jena (Thüringen) prügeln Skinheads mit Baseballschlägern auf einen Chilenen ein.[152]

13.o2.1992: Mehrere mit Pistolen, Messern und Knüppeln bewaffnete Skinheads überfallen in Eppelheim eine überwiegend von Türken besuchte Snack-Bar und schlagen auf die Gäste ein. 19 Personen werden vorläufig festgenommen.[153]

23.o2.1992: Etwa 3o Skinheads bewerfen in Blankenfelde (Brandenburg) ein Asylbewerberheim mit Steinen und zertrümmern die Fenster des Hauses.[154]

18.o3.1992: Der 53jährige Gustav Schneeclaus wird in Buxtehude (Niedersachsen) von zwei Skinheads mit einer Holzlatte erschlagen, weil er Adolf Hitler als Verbrecher bezeichnet hatte.[155]

19.o3.1992: In Hamminkeln (Nordrhein-Westfalen) bedrohen sechs Skinheads mehrere Asylbewerber in der dortigen Unterkunft. Sie kündigen an, daß "das Haus in zwei Monaten brennen und der Laden hochgehen" werde; damit gäbe es das Problem dann nicht mehr.[156]

19.o3.1992: Der Obdachlose Ingo Finnern, 31, wird von zwei Skinheads ins Flensburger Hafenbecken geworfen, wo er ertrinkt.[157]

o3.o5.1992: Drei Skinheads greifen in Siegen-Weidenau einen chinesischen Studenten an, verletzen ihn mit Fußtritten schwer und schlagen mit Bierflaschen auf ihn ein. Vor dem Überfall hatten die Täter ihren Arm zum "Hitlergruß" erhoben.[158]

o9.o5.1992: 6o Skinheads überfallen die Magdeburger Gaststätte "Elbterrassen" und erschlagen den 23jährigen Punk Torsten Lambrecht mit Baseballschlägern. Acht weitere Menschen erleiden bei dem Überfall Schädel- und Kieferbrüche.[159]

21.o5.1992: Zwei Skinheads mißhandeln einen 23jährigen  Mann in Berlin-Hellersdorf.[160]

28.o5.1992: Neun Skinheads randalieren in Senftenberg (Brandenburg) und zwingen einen Polizeibeamten, seinen Pkw anzuhalten. Sie verletzen den Beamten und beschädigen den Pkw.[161]

3o.o5.1992: Eine Gruppe von fünf Skinheads greift eine Italienerin und einen Türken in Münster an. Die Gruppe, die auf 15 Personen anwächst, beleidigt ihre Opfer, schlägt sie brutal zusammen und verletzt sie mit Fußtritten.[162]

o3.o6.1992: In Reutling greifen sechs Skinheads mit Messern und Baseballschlägern zwei Franzosen an und rauben ihnen unter anderem die Ausweispapiere.[163]

27.o6.1992: In Köln wird ein türkischer Asylant vor seiner Unterkunft von drei Skinheads angesprochen, als er die Asylantenunterkunft betreten will. Sie teilen ihm mit, daß er als Ausländer hier nichts zu suchen habe. Einer der Skinheads zerbricht an der Hauswand eine leere Flasche und fügt dem Opfer eine etwa 4 cm lange Schnittwunde am Hals zu.[164]

o1.o7.1992: In Neuruppin (Brandenburg) ersticht ein Skinhead den 5o-jährigen Obdachlosen Emil Wendland.[165] Der Täter wird Ende 1993 wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von 7 Jahren verurteilt.[166]

o8.o7.1992: In Ostfildern (Baden-Württemberg) überfallen Skinheads eine Arbeiterunterkunft und erschlagen den Kosowo-Albaner Sadri Berisha, der seit 2o Jahren in Deutschland lebt[167] und verletzen den 46jährigen Sahit Elezaj schwer.[168] Dafür werden am 13. Mai 1993 zwei 25 und 21 Jahre alte Täter wegen Mordes in Tateinheit mit versuchtem Mord zu lebenslanger Haft beziehungsweise neun Jahren Gefängnis verurteilt. Gegen zwei weitere Täter werden wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung Freiheitsstrafen von jeweils sieben Jahren verhängt.[169]

18.o7.1992: Skinheads überfallen mit Baseballschlägern, Pistolen und Reizgas eine Diskothek in Münchehofe (Brandenburg). Sie grölen faschistische Parolen und verletzen drei Menschen.[170]

18.o7.1992: In Nauen (Brandenburg) schlagen 2o Skinheads einen Mann auf offener Straße zusammen und verletzen ihn schwer.[171]

28.o7.1992: Auf einem Zeltplatz in Gussow (Brandenburg) fallen Skinheads über eine Gruppe von Sinti und Roma her und verletzten diese.[172]

23.- 29.o8.1992: Vor dem zentralen Asylbewerberheim Mecklenburgs in Rostock-Lichtenhagen beginnen unter dem Beifall der Anwohner nächtelange Krawalle, an denen auch Skinheads teilnehmen.[173]

24.o8.1992: Ein Skinhead feuert in Koblenz in eine Menschengruppe. Der 35jährige Obdachlose Frank Bönisch wird tödlich getroffen.[174]

24.o8.1992: Drei Skinheads greifen einen afrikanischen Asylanten in Wuppertal an.[175]

27.o8.1992: Skinheads überfallen in Schwanfeld (Sachsen-Anhalt) mit Steinen und Leuchtraketen ein Asylbewerberheim.[176]

29.o8.1992: Mit einem Baseballschläger verletzen zwei Skinheads in Berlin-Charlottenburg zwei Obdachlose so schwer, daß eines der Opfer am 5. September stirbt.[177] Einer der Täter wird am 22. Februar 1993 zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt.[178]

1o.o9.1992: In Saarbrücken schlagen Skinheads, die beschlossen haben, "Schwule abzuklatschen", einen Mann brutal zusammen.[179]

18.o9.1992: Etwa 4o Skinheads rotten sich in Wildeshausen (Niedersachsen) zusammen und greifen ein von "Roten" bewohntes Haus an. Sie begehen Sachbeschädigungen und sprühen Tränengas in die Räume.[180]

19.o9.1992: Rund 5o Skinheads belagern in Wildeshausen (Niedersachsen) das Polizeigebäude.[181]

21.o9.1992: Nach dem Tod von Heinz Galinski, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, schänden drei Skinheads und ein Neonazi die Erfurter Synagoge mit zwei Schweinekopfhälften und bedrohen mit einem beiliegenden Schreiben die Juden mit Tod.[182]

o5.1o.1992: Bei einem Angriff auf das Asylbewerberheim in Brüel-Keez (Mecklenburg-Vorpommern) brechen Skinheads einem 25jährigen Rumänen das Nasenbein.[183]

1o.1o.1992: In Saarbrücken schlagen Skinheads einen Mann zusammen und verletzen ihn schwer. Die Skinheads hatten auf einer Party beschlossen, "Schwule zu klatschen".[184]

12.1o.1992: Vor einem Asylbewerberheim in Helmstedt skandieren Skinheads "Ausländer raus" und "Deutschland den Deutschen".[185]

13.11.1992: Zehn mit Stöcken bewaffnete Skinheads schlagen in Berenbostel bei Hannover auf einen türkischen Asylbewerber ein.[186]

13.11.1992: Nach einem gemeinsamen Saufgelage in einer Wuppertaler Kneipe treten zwei Skinheads einen 53jährigen Metzger mit ihren Kampfstiefeln zu Tode. Sie übergießen ihn mit hochprozentigen Alkohol und zünden den sterbenden Mann an. Die Leiche schaffen die Skinheads mit einem Auto ins niederländische Venlo, wo sie am Morgen nach der Tat gefunden wird.[187]

14.11.1992: Während einen Angriffs von drei Skinheads erleidet ein 38jähriger Mann in Berlin einen Schädelbruch. Die Skinheads hatten den Mann zwingen wollen, ihren "Sieg Heil"-Gruß zu erwidern.[188]

17.11.1992: Mehrere Skinheads mißhandeln in Lehnin (Brandenburg) einen 51-jährigen Arbeitslosen schwer, übergießen ihn mit Alkohol, zünden ihn an und werfen ihn in einen See. Deswegen werden am 8. Juli 1993 zwei der Täter wegen Mordes zu Jugendstrafen von neun beziehungsweise sieben Jahren verurteilt. Ein weiterer Skinhead wird in einem getrennten Verfahren am 16. September 1993 zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt.[189]

23.11.1992: Mölln. Zwei Skinheads verüben Brandanschläge auf ein von türkischen Staatsangehörigen bewohntes Haus. Es sterben die 51jährige Türkin Bahide Arslan, ihre 1o-jährige Enkelin Yeliz Arslan  und ihre 14jährige Nichte Ayse Yilmaz.[190] Die beiden Täter werden am 8. Dezember 1993 wegen dreifachen Mordes, mehrfachen Mordversuches und besonders schwerer Brandstiftung zu lebenslanger Haft beziehungsweise zehn Jahren Jugendstrafe verurteilt.[191]

15.12.1992: In Siegen (Nordrhein-Westfalen) schlagen zwei Skinheads so brutal auf einen stark sehbehinderten Mann ein, daß das Opfer drei Wochen später seinen schweren Verletzungen erliegt.[192]

18.12.1992: In Oranienburg wird ein 51-jähriger Mann von zwei Skinheads mit Fußtritten gegen den Kopf getötet. Einer der Täter wird im Oktober 1993 zu 8 Jahren Haft verurteilt.[193]

o6.o1.1993: Skinheads schlagen in Erfurt einen 19jährigen Slowaken zusammen.[194]

o6.o1.1993: In einer belebten Kölner Fußgängerzone schlagen zwei Skinheads ein türkisches Mädchen zu Boden. Sie treten ihr Opfer krankenhausreif, bevor nach mehreren Minuten endlich ein Passant eingreift.[195]

1o.o1.1993: Frankfurter Skinheads schlagen drei Männer zusammen und werfen sie in den Main.[196]

24.o1.1993: Eine 17jährige türkische Arzthelferin wird in München (Bayern) von zwei Skinheads mit einer Gaspistole im Gesicht verletzt, zu Boden geschlagen und dann brutal zusammengetreten.[197]

2o.o2.1993: Bei einem Überfall von Skinheads auf Mitglieder einer "Heavy-Metal"-Band in Hoyerswerda wird der Fahrer der Band so schwer verletzt, daß er am 26. Februar stirbt. Die Skinheads stürzen den Kleintransporter der Band um, wobei der mit Tritten und Schlägen traktierte Fahrer unter das Fahrzeug gerät.[198]

o3.o7.1993: In Borgheide (Brandenburg) greifen Skinheads in der Absicht "Linke aufzuklatschen", einen 17jährigen Mopedfahrer und dessen 15jährige Beifahrerin an und reißen sie von ihrem Fahrzeug. Der Fahrer wird durch Messerstiche, Elektroschocks und Fußtritte verletzt.[199]

 

 


 

[1]               Vgl. Arntz, S. 247ff, Heim/ Hirsch, S. 1o8ff

[2]               Vgl. Spiegel, Nr. 5o/ 92, S.25, Verfassungsschutzbericht 1992, S. 75

[3]               Vgl. Stein, S. 32

[4]               Vgl. taz, S. 17f

[5]               Vgl. van Ooyen, S. 21

[6]               Vgl. van Ooyen, S. 17

[7]               Vgl. Dokumentation: Faschisten in Lübeck, S. 2of

[8]               Vgl. Verfassungsschutzbericht 1983, S. 142

[9]               Vgl. Verfassungsschutzbericht 1983, S. 143

[10]            Vgl. Dudek, S. 13

[11]            Vgl. Dudek, S. 14

[12]            Vgl. Dokumentation: Faschisten in Lübeck, S. 2of

[13]            Vgl. Dokumentation: Faschisten in Lübeck, S. 2of

[14]            Vgl. Verfassungsschutzbericht 1984, S. 15o, Dudek, S. 18o

[15]            Vgl. Verfassungsschutzbericht 1984, S. 158

[16]            Vgl. van Ooyen, S. 21

[17]            Vgl. van Ooyen, S. 21

[18]            Vgl. Verfassungsschutzbericht 1985, S. 184

[19]            van Ooyen, S. 17

[20]            Vgl. van Ooyen, S. 21

[21]            Vgl. Dokumentation: Faschisten in Lübeck, S. 2of