Gesellschaftliche Veränderungen in Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg
Alle Autoren waren sich einig, daß der Skinhead-Stil seine Wurzeln in der traditionellen Arbeiterschicht hatte[6]. Er wurde als Ergebnis der gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen angesehen, die sich in Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg ereigneten, denn gerade die Arbeiterschaft wurde von verschiedensten staatlichen Maßnahmen am stärksten beeinflußt. In Großbritannien waren das Denken in gesellschaftlichen Klassen und die Verwendung des Klassenbegriffes verbreiteter als in Deutschland[7]. Gerade auch in sozialwissenschaftlichen Arbeiten fand die Kategorie "Klasse", die in deutschen Arbeiten sehr viel zurückhaltender verwandt wurde und auf ein marxistisches Weltbild des Autors hindeutete[8], eine sehr viel unbedarftere Verwendung. Daher werden auch in den Teilen der Arbeit, die sich mit der Situation der Skinheads in England beschäftigen, die Begriffe "Arbeiterschaft", "Arbeiterschicht", "Arbeiterklasse" synonym verwandt. Die wechselnde Benutzung der obengenannten Begriffe erfolgt also aufgrund rein stilistischer Kriterien und läßt daher keinen Rückschluß über den ideologischen Hintergrund der Quellen oder der Zitierten zu.
Eine der Maßnahmen, die Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend verändern sollte, war die Neugestaltung der Wohnraumpolitik, die sich in zwei Phasen vollzog. Die erste Phase umfaßte die 5oer Jahre, die zweite begann in der frühen 6oern und dauert bis zum heutigen Tag[9]. Beide Phasen der Wohnraumpolitik hatten gemeinsam, daß sie sich eher an den Bedürfnissen und Lebensvorstellungen der Mittelschichten orientierten und deshalb die traditionellen Lebensweisen der Arbeiter nicht berücksichtigten. Daher trugen sie zu deren Auflösung bei. Uneins waren sich die Autoren bei der Beurteilung der Intentionalität dieser Vorgänge. Während Phil Cohen der Meinung war, daß diese Vorgänge eher unbewußt abliefen[10], war Dahrendorf davon überzeugt, daß hier durchaus die Absicht verfolgt wurde, durch die Propagierung von eigentlich "nicht-britischen" Werten wie Geiz, Eigennutz, Konkurrenzdenken und eines Ethos', das harte Arbeit befürwortet, die traditionelle Arbeiterklasse zu verändern[11]. Gerade auch Mrs. Thatcher habe demnach versucht, soziale Verhaltensweisen so zu beeinflussen, daß sich Großbritannien von einer "solidarischen Gemeinschaft" zu einer "Wettbewerbsgesellschaft" entwickeln würde, um sich den anderen Industrienationen anzugleichen und besser mit ihnen konkurrieren zu können.[12]
Die erste Phase der neuen Wohnraumpolitik sah vor, die heruntergekommensten Stadtteile zu entlasten, indem Teile der dort ansässigen Bevölkerung in neue Wohnanlagen der Satellitenstädte außerhalb der Großstädte umgesiedelt wurden[13]. Dies bedeutete für die Beteiligten unzweifelhaft eine Verbesserung der Wohnbedingungen[14].
Die zweite Phase unterschied sich von der ersten insofern, als die Bevölkerung der Sanierungsgebiete nicht mehr umgesiedelt wurde, sondern die neuen Wohnanlagen im selben Stadtteil gebaut wurden[15]. Beide Phasen beinhalteten jedoch, daß die neuen Wohnungen nicht mehr auf die Arbeitergroßfamilien zugeschnitten waren, sondern auf die Kleinfamilien der Mittelschicht.[16]
Ganz im allgemeinen zeichneten sich die neuen Wohngebiete dadurch aus, daß die traditionelle "communal space" der Arbeiterschaft, das heißt das öffentliche Leben auf den Straßen des Wohnviertels, zerstört wurde. Diese "communal space", die später ideeller Bezugspunkt der Skinheads werden sollte, beinhaltete städtebauliche Aspekte wie das Geflecht von engen Straßen und Gassen, welches von den einheitlichen Reihenhäusern gebildet wurde, sowie quasi abgeschlossene ökonomische Einheiten mit Fabriken, Wohnungen, Eckläden und Kneipen. Hieraus abgeleitet waren Aspekte des kollektiven Selbstimages. Dazu gehörte ein komplexes, verwobenes Netz der Großfamilie mit Großeltern, Onkeln und Tanten sowie Nachbarn und "Kumpeln". Hinzu kam ein Lebensgefühl, das aus dem Samstagnachmittag mit Fußballspielbesuch, dem Hören der örtlichen Blaskapelle vorher, und dem Kneipenbesuch danach bestand. Dieses Lebensgefühl fand seinen Ausdruck in der Schiebermütze, dem lokalen Dialekt, dem vertrauten Schlurfen von Holzschuhen auf Kopfsteinpflaster, dem feierabendlichen Vor-dem-Haus-in-der-Sonne-Sitzen und im Austausch des letzten Klatsches.[17] Inwieweit diese Lebenssituation tatsächlich konkrete Alltagserfahrung eines jeden einzelnen Arbeiters widerspiegelte, war für das Image selbst nicht allzusehr von Bedeutung. Ausschlaggebend war nur, daß sich die Arbeiterschaft kollektiv in diesem Image wiederfand und sich mit ihm identifizieren konnte.
Die durch die baulichen Maßnahmen einsetzenden Veränderungen wurden unter anderem durch das Verschwinden der "Tante-Emma-Läden"[18] offenkundig. Eine weitere Neuerung war die Veränderung der Kneipen von schmucklosen "Trinkhallen" für Männer (public bar) in "Salons" (lounge bar), zu denen auch Frauen Zutritt hatten. Dies hatte sicherlich auch finanzielle Gründe, immerhin vergrößerte sich die Kundschaft durch diesen Wandel[19]. Aber es war symptomatisch für die "Bourgeoisierung" der Arbeiterviertel (- denn Arbeitermänner blieben beim Ausgehen und Trinken unter sich, während die Praxis, mit der Frau zusammen auszugehen, eher Ausdruck von Angehörigen der Mittelschicht war). Die vermehrte Schließung der Vorstadt- und Programmkinos[20] wies in die gleiche Richtung. Es wurden zwar neue Vergnügungsstätten geschaffen, diese lagen jedoch nicht mehr dezentral und lokal "um die Ecke", sondern konzentriert (Einkaufspassagen, Kinopaläste, Sportzentren) in den Innenstädten[21]. Sie trugen damit der größeren Mobilität der Angehörigen der Mittelschichten eher Rechnung als der Stadtteilbezogenheit der Arbeiter.
Auch änderte sich in den Arbeitervierteln die Bevölkerungszusammensetzung. In die durch die Umsiedlungspolitik der 5oer Jahre leer gewordenen Häuser zogen entweder noch ärmere Bevölkerungsteile, die auf billigen Wohnraum angewiesen waren, in der Mehrheit Einwanderer aus den nach und nach unabhängig werdenden Kolonien, oder, vermehrt seit den 7oern, junge Familien der Mittelschichten, Studenten, Yuppies, Intellektuelle und Künstler, die den besonderen Flair alter Stadtviertel suchten. Der erste Prozeß wurde als "downgrading", als Abwertung eines Stadtteils angesehen, denn Gegenden mit einen hohen "Ausländeranteil" galten in dem Urteil der Gesamtgesellschaft als minderwertige Wohngebiete. Die zweite Entwicklung wurde als "upgrading", als Aufwertung von Stadtteilen verstanden, da diese Viertel "in" waren und finanzkräftige Mieter wie Geschäfte und Unternehmen anzog.[22] Ob nun die "Überfremdung" der Arbeiterstadtteile durch die Einwanderer mit ihrer "fremden" Kultur und ihrer von der britischen Arbeiterschaft unterschiedlichen Lebensweise hervorgerufen wurde[23] oder durch die "Bourgeoisierung" der Yuppies und anderer Mittelstandsangehöriger, das Resultat war dasselbe: die alteingesessenen Arbeiterfamilien zogen fort[24].
Diese Veränderungen führten dazu, daß die traditionellen "working class communities" mit ihrer für das eigene Selbstverständnis wichtigen "communal space", die quasi familiären Gemeinschaften mit ihren engen Beziehungen in der Nachbarschaft und der Verwandtschaft, zerstört wurden und mit ihnen auch die Arbeiterkultur[25]. Dahrendorf ging sogar soweit, zu konstatieren, daß diese Prozesse traditionelle Arbeiterverhaltensweisen wie die Tugenden der Solidarität, Nachbarschaft, Freundlichkeit und Sanftmut auf Dauer schädigten und zum Verschwinden brachten[26].
Das gesellschaftskulturelle Modell des "Centre of Contemporary Cultural Studies"
Die allgemeingesellschaftlichen Veränderungen wurden von den Forschern des "Centre of Contemporary Cultural Studies" (CCCS) in Birmingham als Ausgangspunkt für ihre Arbeiten genommen.[27]
Ausgehend von der Analyse der Veränderungen, welche speziell die Arbeiterschaft durchmachte, beschäftigten sich einige der Autoren mit dem Verhältnis von einzelnen Gruppen zur Gesamtgesellschaft. Im Eigenverständnis Linke, versuchten sie eine Analyse der Gesellschaft, indem sie "Arbeit" und "Kultur", "Produktion" und "Reproduktion" nicht einzeln voneinander getrennt oder allenfalls als eine Reihe von bikausalen Beziehungen untersuchten, sondern indem sie die einzelnen Bereiche als Bestandteile eines komplexen Systems von Beziehungen begriffen. Diese Beziehungen sollten erforscht werden, indem nicht nur auf Fallstudien zurückgegriffen wurde, sondern auch auf die Begrifflichkeit eines aufgeklärten Marxismus[28]. Damit sollte ganz bewußt der Entfremdung der orthodoxen Linken gegenüber der "Politik des kulturellen Alltags" begegnet werden[29]. Sozialforschung sollte in ihrem Verständnis nicht mehr nur aus einem wissenschaftlich-wertneutral-abschätzigen Blick auf die Ausdrucksweisen populärer Massenkultur bestehen[30]. Dabei standen die alltäglichen Erscheinungsformen des "Klassenkampfes im Kleinen" im Mittelpunkt ihres Interesses, welches gleichzeitig ihre Überzeugung widerspiegelte[31].
"Kultur" wurde von ihnen verstanden als Ausdruck einer gelebten Praxis (- im Sinne eines "way of life") von Klassen und sozialen Gruppierungen. Damit wurde dieser Kulturbegriff umfassender definiert als der des Bürgertums, welcher sich eher auf die dinglichen Objekte selbst bezog (- ein Gemälde, ein Gedicht, eine Oper etc.) und ihnen eine positive Wertung verlieh[32].
Um die Beziehungen der verschiedenen Kulturen der Klassen zu verdeutlichen, verwandten sie eine Art Schichtenmodell, kombiniert mit einer speziellen Begrifflichkeit. Das Dach dieses Modells stelle die "Dominante Kultur" dar, die "Kultur der Herrschenden", die durch offizielle Medien und staatliche Bildungs- und Erziehungsinstitutionen vermittelt würde. Darunter befänden sich die Kulturen der einzelnen "Klassen" (- Ar-beiterklasse, Bourgeoisie etc.). Diese Kulturen bezeichneten sie als "parent cultures", als "Elternkulturen", die ins Deutsche als "Stammkulturen" übersetzt wurden. Darunter wiederum befänden sich eine Vielzahl von "Sub-Kulturen", einschließlich der verschiedenen Kulturen von Jugendlichen wie die der Skinheads[33].
Zwischen diesen verschiedenen Kulturen gebe es hierarchisch-vertikale Beziehungen. Jede Kultur sei aus der "über-ihr-liegenden Kultur" teilweise entstanden und bezöge sich in ihren Lebensentwürfen weiterhin auf sie, wenn auch nur in oppositionellem Verhältnis zu deren Wertesystem (- Arbeiterklassen-"Stammkultur" versus "Herrschende" Kultur, Subkultur versus Stammkultur)[34]. Darüber hinaus wurden auch horizontale Beziehungen angenommen, denn keine der Kulturen gelte als hermetisch von den anderen abgeschlossen; bis zu einem gewissen Grad teilten alle Kulturen innerhalb einer Gesellschaft gewisse Aspekte ihrer Lebensweisen beziehungsweise seien in der Lage, Aspekte der anderen Kulturen zu verstehen[35]. Die einzelnen Kulturen verbinde daher ein komplexes Geflecht von Beziehungen.
Zur Natur der Kulturen stellten sie fest, daß sie durchaus keine homogenen Gebilde seien. Durch die oben erwähnten "Einschlüsse" von Aspekten "anderer" Kulturen wiesen sie Brüche und Widersprüche auf. So würden sich verschiedene Interessen bekämpfen:
• in der "Dominanten Kultur" zum Beispiel die Lebensauffassungen des Adels und der Mittelklasse,
• zum Beispiel verschiedene religiöse Auffassungen wie Katholizismus und Protestantismus,
• zum Beispiel unterschiedliche Traditionen aus der Vergangenheit wie Religiosität und Sozialismus in der (nordirischen) Arbeiterklasse[36].
Subkulturen zeichneten sich dadurch aus, daß sie einerseits "unterschiedlich" genug seien, um von ihrer Stammkultur unterschieden zu werden[37], andererseits besäßen sie selbst in ihrer "Andersartigkeit" noch gemeinsame Aspekte mit ihrer Stammkultur[38].
Dies gelte natürlich auch für die sogenannten "Jugendsubkulturen". Auch diese Subkulturen unterschieden sich von ihrer Stammkultur, wenn auch in erster Linie durch ihr jugendliches Alter[39]. Darüber hinaus wiesen sie zwar Unterschiede zu ihren Stammkulturen auf, aber natürlich gelte auch hier, daß in ihren Gegenentwürfen Gemeinsamkeiten mit der Stammkultur nicht zu übersehen seien[40]. Um die Jugendsubkulturen richtig einschätzen zu können, müßte nicht nur ihre Beziehung zur direkt über ihr liegenden Stammkultur untersucht werden, sondern, in Berücksichtigung der hierarchisch-vertikalen Beziehungen der verschiedenen Kulturen, auch die Beziehung zur "Dominanten Kultur"[41]. Die horizontalen Beziehungen zu den anderen Jugendsubkulturen haben dabei weniger im Interesse der Forscher des CCCS gestanden, da sie "Jugendsubkulturen" ganz allgemein als Reaktion von Jugendlichen der Arbeiterklasse verstanden, um den Problemen zu begegnen, die ihnen die Institutionen der Mittelklasse bereiteten[42]. Dabei standen die Beziehungen der Jugendgruppen zu den allgemeinen Klassenbeziehungen im Vordergrund[43]. Aus diesen Gründen beschäftigten sich die Arbeiten des CCCS weniger mit bürgerlichen Jugendkulturen wie den "Hippies", sondern mit den "proletarischen", wie den "Rockern", "Mods", Skinheads und "Punks" und deren Beziehungen zu den "über-ihnen-liegenden" Klassen, aber nicht mit den Beziehungen der Jugendsubkulturen der verschiedenen Klassen untereinander.
Skinheads stellten demzufolge eine "richtige" Jugendsubkultur dar, da sie einerseits aus der Arbeiterklasse stammten und andererseits sich zugleich ihrer Jugend und ihrer Klasse "bewußt" waren[44].
Skinheads und ihre Stammkultur
Eine der wichtigsten Auffälligkeiten bei den Skinheads war ihr Auftreten in Gruppen. Die engere Peer-Gruppe umfaßte bei ihnen zwischen 1o und 2o Mitglieder im Alter von 13 bis 23.[45] Gerade im traditionellen Arbeitermilieu wurden diese Gruppen durchaus positiv vom sozialen Umfeld aufgenommen. Die Gruppen gaben den Eltern die beruhigende Sicherheit, daß ihre (jüngeren) Kinder nicht unbeobachtet waren und sie einen gewissen Schutz der älteren Gruppenmitglieder genössen. So waren sie nicht auf sich allein gestellt. Diese "Aufgehobenheit" innerhalb der Gruppe wußten auch die Jugendlichen zu schätzten. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten "Gruppe", "Clique" oder "Gang" wurde nach außen durch eine gewisse Uniformität in der Kleidung signalisiert.[46] Es hört sich heutzutage vielleicht überraschend an, wenn Forscher behaupten, daß Eltern durchaus zufrieden gewesen seien, wenn ihre Sprößlinge Mitglieder von "Gangs" waren. Es darf jedoch nicht vergessen werden, daß im traditionellen Arbeiterleben der Aufenthalt "auf der Straße", besonders in England mit seinen typischen Arbeiterreihenhäusern, der akzeptierte Normalfall war, gerade dieses auch die "working class communities" ausmachte. Diese traditionellen "communities" waren in Auflösung begriffen, und Forscher deuteten die Skinhead-Gruppen als Versuch, über den "Mob" diese Arbeitergemeinschaft wiederzubeleben[47]. Mit solchem Gruppengefühl und solcher Gruppenwärme, welche typisch für die Arbeiterklasse seien[48], versuchten die Skinheads der Ausgeschlossenheit von gesamtgesellschaftlichen Chancen zu begegnen[49]. Unter den Jugendlichen, die sich den Skinheads zuwandten, verstärkte sich das Denken in "Wir/Die"-Kategorien, welches unter den Arbeiterjugendlichen ohnehin schon recht deutlich ausgeprägt war.[50] Aus dem Gefühl der Gruppenzugehörigkeit heraus seien auch die verschiedenen Gewaltakte, welche ansonsten eher politisch motiviert erschienen, zu erklären. Nicht rechtes (- oder linkes) Gedankengut verleite die Skinheads in den nächsten Jahren vermehrt dazu, Gewalt auszuüben, sondern "einfach" der Kampf gegen eine "andere Gruppe", im Sinne eines "unpolitischen" Bandenkampfes[51].
Mit diesem Gedanken eng verbunden war das Konzept der Territorialität. Die Gruppen definierten sich in bezug auf eine Straße, eine Kneipe, eine Ecke. Dieses Gebiet wurde teilweise "markiert" durch Wandschriften (- den "Tags") wie "Smethwick Mob"[52], "Quinton Mob rules here"[53], "Tottenham Skins Rule, ok?"[54] und erbittert gegen andere verteidigt[55], wobei bei der Art der Gegner kaum Unterschiede getroffen wurden. Treffen konnten die "Abwehrkämpfe" jeden, der "fremd" war[56], seien es "Hippies"[57], Ausländer wie zum Beispiel Pakistani[58] oder andere Skinhead-Gruppen[59]. Die Inbesitznahme von Territorien geschehe dabei nicht im Sinne von bürgerlichen Ansprüchen auf persönliches Eigentum, so die Überzeugung der Forscher[60]. Wie schon bei der Gruppenbildung stelle die Betonung des Territoriums einen Versuch dar, die im Verschwinden begriffenen "communal spaces" wiederzubeleben[61].
Jedoch nur einige Autoren aus der Gruppe der CCCS-Kreises dachte diesen Gedanken weiter und verließen den abstrakt-theoretischen Rahmen. Cohen und Hebdige merkten kritisch an, daß die Gefahr bestünde, daß ein für die Bildung von "communities" eher positiv anzusehender Lokalpatriotismus umschlüge in einen Lokalchauvinismus, der beinhaltete, daß, solange man nicht in der Lokalität geboren und aufgewachsen sei, man auch kein Recht habe, sich dort aufzuhalten[62].
Die spezielle Kleidung der Skinheads wurde von den Forschern des CCCS als eine Art Freizeitkleidung angesehen, die den Stils der Arbeitsklamotten fortführe[63]. Besonders jedoch Phil Cohen qualifizierte die Überbetonung dieser Auffassung von Skinhead-Kleidung als "Karikatur" ab, die einen Vorzeigearbeiter nachzeichne ("caricature of the model worker")[64].
John Clarke nannte den Versuch, die traditionellen "working-class-communities" wiederzubeleben, "the magical recovery of community"[65], denn die Wiederherstellung der "Gemeinschaft" schien mit einer "magischen" Leichtigkeit zu gelingen. Wie aber bei einem Zaubertrick des Magiers sei diese "unreal". Die Rückgewinnung der traditionellen Arbeitergemeinschaften gelänge nicht[66]. Nur die äußeren Attribute würden wiederhergestellt, die bedrückende Lebenssituation der Jugendlichen mit schlechter Schulbildung, Arbeitslosigkeit, schlecht bezahlten Jobs nicht verbessert und ganz allgemein die Auflösung der Arbeitergemeinschaften nicht verhindert. Die gesellschaftlichen Strukturen blieben unangetastet[67], da der Skinhead-Stil sich nur auf symbolischer Ebene[68], der Kleidung, und nur in einem ihrer Lebensbereiche, der Freizeit,[69] auswirke. Der Effekt des Skinhead-Stils bestünde daher allein darin, daß die Jugendlichen ihre Lebenssituation dadurch erträglicher machen, daß sie sich in eine imaginäre Lebenswelt hineinsteigerten[70].
Diese Fixierung auf eine "bessere" Vergangenheit der "working- class- communities" mochte dazu führen, daß die deprivierende Lebenssituation aushaltbar wurde, sie sei aber auch verantwortlich dafür, daß die Skinheads nicht mehr versuchten, ihre Lebenssituation zu verbessern. Während andere Jugendsubkulturen aus der Arbeiterklasse durchaus eine persönliche Verbesserung ihrer materiellen und sozialen Verhältnisse zu erreichen suchten[71], verweigerten sich die Skinheads dieser Perspektive. Phil Cohen prägte für diese Vorgänge den Begriff der "upward option" von Jugendsubkulturen. Dieser "Aufwärtsentscheidung", welche die "Mods" wählten, setzte er die "downward option", die "Abwärtsentscheidung" entgegen. Letztere würde für die Skinheads dazu führen, sich zum "Lumpen"(-proletariat) zu entwickeln[72].
In Gänze jedoch hatten die CCCS-Autoren die Arbeiterklasse und mit ihr die Skinheads mit Wohlwollen betrachtet. Es blieb Autoren außerhalb des CCCS überlassen, sich stärker mit der Ambivalenz der Werte innerhalb der Arbeiterschicht zu beschäftigen (zum Beispiel Clarke, Knight). Da diese Autoren sich kritischer mit der Arbeiterklasse auseinandersetzten, wurden auch die Skinheads kritischer von ihnen beurteilt. Demnach stellten die Skinheads die Verkörperung der Ansichten und Überzeugungen der Arbeiterschaft dar. In fast allen Belangen des Lebens seien sie unmittelbar von ihren Eltern geprägt und hätten deren Wertvorstellungen unhinterfragt übernommen.[73] Dazu gehörten die kollektive Solidarität, die harte Männlichkeit (- deshalb waren ihnen "verweichlicht" erscheinende Gruppen wie "Hippies" oder Pakistani ein Dorn im Auge)[74] und die Kneipenkultur, mit dem massiven Alkoholkonsum und der Territorialität, die im "local pub", der "Stammkneipe", ihren Ausdruck fände[75]. Ebenfalls mit ihren Eltern teilten die Skinheads die tief verwurzelte Einstellung, daß ein Jugendlicher sich so früh wie möglich eine Vollzeitarbeit suchen sollte, um sich aus der Abhängigkeit, aber auch der Bevormundung vom Elternhaus zu lösen.[76] Über die Arbeit an sich machten sich die Skinheads wenig Illusionen. Sie idealisierten sie nicht, sondern sahen in ihr lediglich ein Mittel zum Zweck, um an Geld zu kommen, welches sie in der Freizeit (zum Beispiel für den Kneipenbesuch) brauchten. Auch hierin unterschieden sie sich nicht von den Ansichten ihrer Elterngeneration.[77] Eine geregelte Lebensplanung (- Arbeit, Heiraten, Haus) sei ihnen ebenso wichtig wie die Verfechtung von rigiden Moralvorstellungen (- zum Beispiel Ablehnung von Homosexualität)[78].
Im Gegensatz zum CCCS, das die Arbeiterkultur per se positiv wertete, hatte sie für Clarke und andere Autoren außerhalb des CCCS auch negative Seiten: Aggressivität, Rassismus, Puritanismus, Chauvinismus, Sexismus[79] und einen Konservatismus, der fast schon reaktionäre Züge annahm[80]. Sie sei anti-idealistisch, anti-intellektuell, ungebildet und roh in ihrer Exessivität und Brutalität[81]. Sie mißtraue den öffentlichen Institutionen wie den Wohlfahrtsbehörden, der Polizei und den Gerichten[82].
Wenn also die Skinheads dieselben Werte und Verhaltensweise aufwiesen, seien sie eigentlich "ur-britisch", so Baake.[83] Unterscheiden würde sich die Subkultur von ihrer Stammkultur allenfalls in der Intensität der Aufrechterhaltung dieser sozialen Normen.
Eine andere Sicht der gesellschaftlichen Positionierung der Skinheads hatten Clarke und Dahrendorf. Anstatt anzunehmen, daß die Skinheads mehr oder weniger zielgerichtet, aber trotzdem konsequent ihre Wahl getroffen hätten, sahen sie die Skinheads als verunsicherte Gruppe in der Mitte sich auseinander entwickelnder gesellschaftlicher Tendenzen an. Zwar gingen auch sie davon aus, daß sich die soziale Situation für Jugendliche der Arbeiterklasse rapide verschlechterte[84], aber dieses führte weniger zu einer Idealisierung der Vergangenheit, als zu einer wachsenden Verunsicherung der Jugendlichen. In allen Lebensbereichen erführen sie eine scherenartige Auseinanderentwicklung von gesellschaftlichen und sozialen Trends: Die Themen des kollektiven Images der "working-class-communities" lebten zwar noch in den Erzählungen ihrer Eltern fort, aber die erlebte Realität in den Stadtteilen wurde zunehmend eine andere[85]. Auf dem Arbeitsmarkt fand zudem eine Qualifikationspolarisierung statt. Den hochqualifizierten, spezialisierten und gut bezahlten Arbeitsplätzen der Facharbeiter standen unqualifizierte und schlecht bezahlte "Sackgassenjobs" in Fabrik und Dienstleistung gegenüber[86]. Die Skinheads fänden sich in dieser Welt nicht mehr zurecht und schlössen sich daher zu Gruppen zusammen.[87] Die Anwendung von Gewalt wie das Attackieren von Außenseitern, die eine Sündenbockfunktion hätten, sei aus dieser Unsicherheit heraus zu verstehen.[88]
Der Skinhead-Stil und andere Jugendkulturen
Bisher wurde der Skinhead-Stil verstanden entweder
• als Rückbesinnung auf eine "bessere" Vergangenheit und damit einhergehende Kultivierung verlorengegan-
gener Werte innerhalb der Arbeiterklasse,
• als Verkörperung und Überzeichnung bestehender Werte der Arbeiterklasse, oder
• als Resultat gruppenpsychologischer Prozesse zur Abwehr von individueller Verunsicherung.
Ein völlige anderer Ansatz stellte die Beeinflussung der Skinheads durch andere Jugendkulturen in den Mittelpunkt. Anstatt die Skinheads primär auf die Stammkultur zu beziehen, sahen sie die Skinheads als Produkt verschiedener Stile, Moden und Musikeinflüsse innerhalb der britischen Jugend. Es ging ihnen nicht nur um das Aufspüren abstrakter Strukturen, sondern auch um die Analyse konkreter Stile in Kleidung und Musik. Aus dem Autorenkreis des CCCS widmete sich besonders Dick Hebdige dieser Vorgehensweise. Aber auch George Marshall und Nick Knight gingen in ihren Büchern über die Geschichte der englischen Skinheads diesen Weg.
Bricolage
Das Modell "Bricolage" wurde von Levi-Strauss erarbeitet. Diese "Stilbastelei" zeichnete sich dadurch aus, daß aus der Gesamtheit der zur Verfügung stehenden Objekte und Zeichen einige herausgenommen und miteinander kombiniert wurden. Dabei war es unerheblich, ob die Objekte und Zeichen schon vorher eine symbolische Aussage innerhalb einer Gesellschaft hatten, denn in ihrer (neuen) Kombination mit anderen Objekten war es durchaus möglich, diese Symbolik abzuändern (- das Tragen des Hakenkreuzes der Nationalsozialisten kann auf die Identifikation des Trägers mit eben jener Ideologie hinweisen, aber auf der zerfetzten Lederjacke eines Punks kann diese Bedeutung fraglich sein). Letztendlich war die spezielle Kombination der Objekte, das Gesamtensemble, ausschlaggebend für die neue Bedeutung der Zeichen.[89]
Die Kombination der schweren Schuhe, der hochgekrempelten Hosen und der kurzen Haare der Skinheads erlangte deshalb eine besondere Bedeutung, weil die Verwendung von Arbeits- oder Gebrauchskleidung einerseits eine Verbindung zur Arbeiterklasse symbolisierte, andererseits das Erscheinungsbild trotzdem unterschiedlich genug war, um nicht mit dem "normalen" Aussehen von Arbeitern verwechselt zu werden (- ansonsten wären sie als eigenständige Gruppe nicht aufgefallen). Darüber hinaus konnte auf bestimmte Werte wie Männlichkeit, Härte, Puritanismus und Schneidigkeit geschlossen werden[90]. Über den symbolischen Charakter hinaus hatte die Kleidung auch den Vorzug, billig zu sein. Die schweren Arbeitsschuhe zum Beispiel, insbesondere die "DocMarten's", besaßen orthopädische Qualitäten und waren daher bequem zu tragen. Da sie zur Rubrik "Arbeitskleidung" gehörten, waren sie in England von der Mehrwertsteuer befreit[91], für die ärmeren Jugendlichen der Arbeiterschicht von nicht unerheblicher Bedeutung.
Innerhalb der "Stilbastelei" der Skinheads gab es jedoch keinen genauen Kleidungskodex, der unbedingt hätte eingehalten werden müssen. Alles konnte getragen werden, solange damit die Verbundenheit mit der proletarischen Herkunft dokumentiert werden konnte. Eine detaillierte Aufzählung dieser Kleidungsstücke leisteten insbesondere die ehemaligen Skinheads Knight und Marshall in ihren Büchern[92], daher soll auf eine genaue Wiedergabe der einzelnen Markennamen verzichtet werden. Die meisten der Kleidungsstücke der Skinheads fielen in den Bereich "robuste und einfache Arbeits- und Armeekleidung"[93].
Auch das Gesamterscheinungsbild der Skinheads begrenzte nur ein weiter Rahmen, der eingehalten werden mußte. So waren Oberlippen- oder Vollbärte verpönt, obwohl Koteletten bis zum Unterkiefer akzeptiert wurden[94]. Die Länge des Haares war nicht so wichtig, wie es später in den 8oern der Fall war. Es gab verschiedene Längen der Haare. Sie wurde bestimmt durch die Dicke des Plastikaufsatzes, der auf das elektrische Rasiergerät aufgesetzt wurde und der die Schnittlänge regulierte. Die "Nr. 4" stand dabei für die "längste Kürze" (- knapp 1 Inch, 2,5 cm), die "Nr. 1" für die "kürzeste" (- ein Achtel Inch, ca. 3,5 mm).[95] Einige Skinheads gingen sogar so weit, sich kürzeste Stoppeln schneiden zu lassen (- den "dark shadow", den dunklen Schatten), aber eine völlige Glatze ließ sich niemand scheren[96]. Marshall drückte dies mit der lapidaren Feststellung aus: "The idea was to look hard and smart, not like a prick with ears"[97]. Man wollte "hart und schneidig aussehen, nicht wie ein "Arsch mit Ohren". Folglich deutete die Kürze der Haare nicht auf die Intensität der Identifikation mit den Skinhead-Idealen hin. Letztendlich bestanden die wichtigen äußeren Attribute allein darin, einigermaßen kurze Haare zu haben und schwere Schuhe zu tragen[98].
Genealogie
Ein inhaltlicher Weg, die Entstehung des Skinhead-Stils nachzuvollziehen, bestand darin, eine Genealogie der verschiedenen Jugendsubkulturen auszuarbeiten. Diese "Familienkunde" ging zwar auch von der Annahme der gesellschaftlichen Veränderung aus, aber die einzelnen Jugendsubkulturen wurden als Abfolge von bestimmten Kleidungs- und Musikstilen gewertet. Nicht die abstrakte Form stand im Mittelpunkt dieser Betrachtungen, sondern die konkreten Gestaltungen.
Mods
Nach dieser Betrachtungsweise bildeten die "Mods" die Vorfahren der Skinheads. Die "Mods" gingen aus der anfänglich exklusiven "Underground"-, "Kaffeebar"-, "Modern-Jazz"-Szene der "Modernists" hervor, die "coolen" modernen Jazz gegenüber dem traditionellen Jazz bevorzugten[99]. In den späten 5oern hatten besonders Arbeiterjugendliche diese hedonistische Lebensweise für sich entdeckt, die sich dem Konsum und der Pflege eines luxuriösen Erscheinungsbildes verschrieben hatte (- die Stoffe der Kleidung bestand zum Beispiel aus Mohair und Seide, die Schuhe waren italienisches Design)[100]. Im Gegensatz zu ihrem glanzvollen Äußeren sah die Alltagsrealität der meisten "Mods" anders aus. Viele hatten nur eine einfache und schlechtbezahlte Arbeit, und ein sozialer Aufstieg blieb ihnen verwehrt. Um diese Brücke zwischen ihrem exklusiven Schein und dem bescheidenen Sein aufrecht erhalten zu können, griffen viele von ihnen zu Drogen, im besonderen zu Amphitaminen[101]. Desweiteren hatten sie einen Hang zur Gewalttätigkeit, besonders wenn sie in Gruppen auftraten und auf "Rocker" stießen (- wie in den großen Unruhen in den Seebädern Englands zu Beginn der 6oer)[102]. Aber auch schon Werte wie die Überbetonung männlicher Härte[103] oder eine starke Gruppensolidarität[104] ließen sich bei ihnen nachweisen.
Im Laufe der Zeit konnten sich immer weniger Jugendliche die elegante Kleidung und den aufwendigen Lebensstil leisten. Allmählich entwickelten sich aus den "Mods" zwei Gruppen: die immer noch schicke, etwas narzißtische Avangarde-Gesellschaft der "Smooth Mods" sowie auf der anderen Seite die härteren und aggressiveren "Hard Mods" oder "Gang-Mods", die ihre stilistischen Feinheiten eingetauscht hatten gegen einen Kleidungsstil, der ihrer Meinung nach eher ihrem sozialen Background entsprach und daher authentischer war[105]. Schon Mitte der 6oer wurden bei den "Hard Mods" gewisse Kleidungsstücke benutzt, die später fest zum Fundus der Skinheads gehören sollten, und auch das Haar wurde schon bei diesen "Mods" etwas kürzer getragen[106]. Die später als Skinheads bezeichneten Jugendlichen entwickelten sich aus diesen "Hard-Mods"[107].
Rude Boys
Eine andere Jugendsubkultur, die maßgeblichen Einfluß bei der Entstehung des Skinhead-Stils hatte, war die der Kinder der farbigen Einwanderer aus dem karibischen Raum (- Jamaika, Kuba, Bahamas, Antillen etc.). Dies scheint zwar in Anbetracht der späteren Entwicklung der Skinheads als Synonym für Rassismus etwas überraschend, aber zu diesem frühen Zeitpunkt teilten beide Jugendgruppen einen ähnlichen Lebensstil. Die farbigen Jugendlichen, nach ihrem Verhalten und ihren Sprüchen, welche als "rude", unhöflich oder sexuell anstößig von der Gesamtgesellschaft bewertet wurden, als "Rudies" oder "Rude Boys" bekannt, begannen Anfang der 6oer an den Straßenecken der Arbeiterstadtteile der Großstädte als Gruppen herumzustehen[108]. Auch sie pflegten ein Macho-Image und schreckten vor keinem Kampf zurück[109]. Weiße Jugendliche aus der
Gegend imponierte dieses Gehabe, und sie versuchten, bestimmte Elemente dieser Jugendlichen zu übernehmen:
• die kurzen Haare, die manchmal ein breiter, ausrasierter Scheitel teilte[110],
• die engen, zu kurzen Hosen[111],
• der lange, offene Mantel[112],
• der "pork pie hat", ein runder, niedriger Filzhut,
• die schwarze Sonnenbrille[113],
• die flachen, schwarzen Schuhe[114],
• selbst die breite, rollende Art zu gehen, wurde von den weißen Jugendlichen imitiert[115].
Unter den weißen Jugendlichen der Arbeiterviertel wurde diese Mischung aus "Rude Boy" und "Hard Mod" die dominierende Jugendkultur, jeder, der hart und "rude" genug war, wurde "Skinhead"[116], auch wenn sich dieser Name zu diesem frühen Zeitpunkt in der Mitte der 6oer noch nicht eingebürgert hatte.
Der anerkannt große Einfluß der farbigen Einwandererkinder auf die Ausgestaltung des Skinhead-Stils brachte Hebdige dazu, die These der "magischen Wiedergewinnung der Gemeinschaft" von Clarke und Jefferson zu modifizieren. Nicht die Rückbesinnung auf die Werte der englischen Arbeiterschaft hätten zu der Etablierung der Gemeinschaft unter den Skinheads geführt, sondern die Übernahme der Werte der karibischen Einwanderer[117]. Damit könnten die Skinheads natürlich nicht "ur-britisch" sein, wie einige Autoren behaupteten.
Auch bei der Musik überwogen die Einflüsse der "Rude Boys". Sie hörten den aus ihren Heimatländern stammenden "Reggae", woraus sich der "Ska" entwickelte. Der "Ska" zeichnete sich durch die Hervorhebung unbetonter Taktteile und der Verwendung von Blechbläsern in der Rhythmusgruppe aus[118]. Für die neu entstehende Jugendsubkultur der Skinheads hatte diese Musik den Vorteil, daß sie von keiner anderen weißen Jugendsubkultur bevorzugt wurde und damit für die Skinheads "frei" war. Zusammen mit den farbigen "Rude Boys" tanzten Skinheads in denselben Klubs nach derselben Musik[119]. Aber der "Reggae" beinhaltete auch den "Rastafarianismus", einen mystisch-religiösen Kult, der sich auf die schwarze Heimat Afrika im allgemeinen und auf Äthiopien im besonderen bezog. Dieser Kult gewann immer stärker an Einfluß unter den farbigen Jugendlichen. Der Gebrauch von Marihuana, das Tragen von "Dreadlocks" und der ständige Bezug auf Afrika machten es den weißen "Rude Boys", den Skinheads unmöglich, sich weiter mit dem Reggae zu identifizieren[120]. Die beiden Jugendsubkulturen begannen, sich auseinander zu entwickeln.
Boot Boys
Die dritte Komponente bei der Herausbildung des Skinhead-Stils steuerten militante Fußballfans bei[121]. Fußballausschreitungen hatten in England eine lange Tradition. Schon vor dem ersten Weltkrieg gab es eine Reihe von schweren Unruhen in Verbindung mit Fußballspielen[122]. Die Skinheads nutzten die Krawalle während und nach dem Spiel, um ihre Loyalität mit dem Verein und damit auch mit ihrem Territorium im Stadtteil zu beweisen. Desgleichen zeugten die Kämpfe als Gruppe von der eigenen Unerschrockenheit und Härte und stärkten innerhalb der Gruppe das Gemeinschaftsgefühl[123]. Dieser Stärkung diente auch der uniforme Charakter des Skinhead-Outfits. Wiesen die Kleidungsmerkmale im Stadtteil eine gewisse Ähnlichkeit mit den "Rude Boys" auf, waren auf den Fußballtribünen die militanten Fußballfans die einzigen, die sich mit den Mänteln, den hochgerollten Arbeitsjeans und den schweren, schwarzen Schuhen kleideten[124]. Wegen ihrer schweren Schuhe, die teilweise auch schon Stahlkappen hatten, wurden diese militanten Fußballfans auch "Boot Boys", "Stiefel-Jungs" genannt[125]. Der Name der Stiefel "bovver boots"[126] wurde von der Verballhornung des englischen "to bother" (- belästigen, ärgern, stören)[127] abgeleitet. In den Jahren von 1967/ 68 gab es ein massives Auftauchen dieses neuen Erscheinungsbildes bei den militanten Fußballfans. Teilweise gab es zwischen 2.ooo bis 4.ooo der militanten Fans im Skinhead-Look[128] auf den Tribünen. Da der Kampf zwischen den einzelnen Fraktionen (- den gegnerischen Fans, der Polizei) als "Schlacht" von den Fans angesehen wurde, "rüsteten" sie entsprechend dieser Illusion schon früh "auf". Ketten, Knüppel, Messer, selbst Wurfsterne und Dartpfeile wurden regelmäßig benutzt[129].
Der Skinhead-Stil stellte ein Amalgam aus dem "Hard Mod" der Straßen der Arbeiterviertel, dem farbigen "Rude Boy" und dem "Boot Boy" der Fußballtribüne dar[130]. Dieser neue Stil hatte zu Beginn durchaus unterschiedliche Namen: "Noheads" (- Dummköpfe), "Baldheads" (- Glatzköpfe), "Cropheads" (- Stoppelköpfe), aber auch "Lemons" (- Zitronen), "Prickles" (- Stachelköpfe), oder "Boiled Eggs" (- Gekochte Eier)[131] oder "Bovver Boys"[132]. Die Skinheads waren von Anfang ihres Bestehens an durch ein hohes Gewaltpotential, das auch vor der Benutzung von tödlichen Waffen nicht zurückschreckte, gekennzeichnet.
Skinheads und Schule
So wie das Entstehen der Skinheads von einigen Autoren als Ergebnis von Prozessen gewertet wurde, die sich auf gesamtgesellschaftlicher Ebene abspielten und Jahrzehnte vor ihrem Auftauchen begannen, so wurde auch das Verhalten der Skinheads in der Schule als Ausdruck von Entwicklungen verstanden, die schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Ausgang nahmen.
Im Jahr 1944 etablierte das "Education Act" Sekundarschulen im Bildungssystem und machte deren Besuch für alle Kinder zur Pflicht[133]. Aufgrund dieser Maßnahme kamen nun Lehrerkollegien, die sich hauptsächlich aus Angehörigen der Mittelschichten zusammensetzten, mit den Kinder der Arbeiterklasse zum ersten Mal längerfristig in engeren Kontakt[134].
Dies brachte nicht nur die Lehrer in die Schwierigkeit, sich mit vielen unbekannten Verhaltensweisen der Arbeiterkinder auseinandersetzen zu müssen[135], sondern auch für die Kinder bedeute ein Schulbesuch nicht nur mehr die Erweiterung ihres Wissens. In Kontakt mit den Lehrern aus den Mittelschichten erfuhren sie den sozialen Abstieg ihrer Eltern und ihres Stadtteiles, die eigene Deklassierheit nur um so deutlicher[136]. Im Endeffekt, so argumentierte Clarke, würde daher durch die Institution Schule die Trennung der Klassen eher aufrecht erhalten werden[137].
Innerhalb dieser Institution der Mittelschichten bliebe den Arbeiterkindern nichts weiter übrig, als ihren Lebensstil vehement zu verteidigen und daher in Opposition zu ihren Lehrern zu gehen und sich deren Anforderungen zu verweigern[138].
Von dieser Auffassung des Fortwirkens des Klassenkampfes an der Schule wich Cohen ab, da er die Schulsituation etwas unterschiedlich betrachtete. Zwar leugnete er den Antagonismus zwischen den Klassen nicht, die Auseinandersetzung würde jedoch nicht nur zwischen den klassenbewußten Arbeiterkindern und den Lehrern stattfinden, sondern auch innerhalb der Familie. Auf der einen Seite würden die Eltern von ihren Kindern verlangen, ihre Lebenssituation durch erfolgreichen Schulbesuch zu verbessern und den Eltern einen Grund zu geben, auf das fleißige Kind stolz sein zu können. Auf der anderen Seite würde jeder Erfolg der Kinder als Gefahr gesehen, daß diese durch Erfolge in der Institution der Mittelschicht sich dieser annähern und sich von der eigenen Klasse und sowie der Familie entfernten. In diesem Spannungsfeld wüßten viele Schüler nicht anders zu reagieren, als in den schulischen Leistungen zurückzubleiben. Die Verweigerungshaltung der Schüler wäre demnach weniger Ausdruck eines klassenkämpferischen Vorsatzes als vielmehr das Ergebnis einer tiefen Verunsicherung der Kinder[139].
Baake gab zu bedenken, daß später etliche Kinder die Verweigerungshaltung bedauern würden, denn obwohl diese negative Haltung zur Schule dazu beigetragen hatte, sich als Individuen in ihrem sozialen Kontext zu konstituieren, sei es im späteren Leben zu spät, die verpaßten Qualifikationen nachzuholen und den Lebensstandard zu verbessern[140]. Beide Autoren wiesen jedoch darauf hin, daß auch eine einmal getroffene Entscheidung für die Schule und deren Anforderungen nicht unproblematisch für den Schüler sei, denn im spezifischen Kontext der englischen Gesellschaft würde eine erfolgreiche Karriere und ein damit verbundener sozialer Aufstieg für einen Arbeiterjugendlichen durchaus bedeuten, sich von den Freunden und der Familie loszusagen[141]. Jedes Arbeiterkind müßte sich demzufolge zwischen der Geborgenheit der Familie und einer späteren individuellen Lebensqualitätssteigerung entscheiden. Diese Annahme trägt der Dichotomie der "downward-upward-mobility" von Cohen Rechnung. Die Skinheads hätten sich für ihre Klasse und gegen den sozialen Aufstieg entschieden.
Die meisten Autoren jedoch sahen im Schulalltag der Arbeiterkinder einen "Klassenkampf im Kleinen". Die Kinder seien Produkte ihrer Klasse. Sie hätten daher die Werte und Normen ihrer Eltern übernommen. Im Gegensatz zu den Mittelschichten hätte die Arbeiterklasse die Autorität staatlicher Institutionen wie Polizei und Schule immer in Frage gestellt[142]. Damit käme es staatlichen Institutionen nicht zu, über die Kinder zu verfügen, zum Beispiel im Zuge einer Bestrafung. Zwar würde Lehrern ein gewisses Recht zugestanden, Bestrafungen durchzuführen, aber die Unterstützung der Lehrer durch die Eltern sei eher halbherzig[143]. Wenn also die Arbeiterkinder aus ihrer Abneigung gegen die Schule keinen Hehl machten[144] und sich dementsprechend aufsässig verhielten, konnten sie in den meisten Fällen mit dem wohlwollenden Verständnis der Eltern rechnen[145], die selbst ein Versagen ihres Kindes in der Schule gelassen hinnahmen, da es ihrer Meinung nach zum eigenen Klassenstatus gehöre[146].
Dermaßen von den Eltern in Schutz genommen, entwickelte sich eine regelrechte "Klassenraumguerilla", zu denen auch die Skinheads gehörten[147]. Diese kultivierte eine Reihe von Verweigerungstechniken, die von Tagträumen und Apathie während des Unterrichts[148] über Nichtantworten, Einsilbigkeit, unangemessenes Lachen[149] und Undiszipliniertheit[150] bis hin zu Sexismus Rassismus und Vergnügen an brutalen Schlägereien[151] oder völliger Abwesenheit reichten[152]. Auch ein provokativer Stil in Kleidung und Verhalten gehörte dazu.
Jugendliche mit diesem rebellischen, unkoorperativen Verhalten wurden in der Literatur als "Anti-school Brigade" bezeichnet. Sie verabscheuten oft schon ab dem 13. Lebensjahr die Schule[153]. Natürlich sei nicht jeder Skinhead Mitglied dieser "Anti-Schul-Brigade", aber es gebe eine starke Tendenz dorthin[154]. Für viele Jugendliche stelle die Schule weniger ein Platz des Lernens dar, sondern bereite die Schüler allein darauf vor, Prüfungssituationen zu meistern[155]. Daher mache Lernen keinen Spaß. Die Schule sei einzig ein Ort, an dem darauf gewartet wurde, daß die Zeit verginge[156]. Mit 15 oder 16 Jahren würde sie dann desillusioniert verlassen[157].
Rassismus, Gewalt und Kriminalität
Die negativen Qualitäten der Skinheads wurden von vielen Autoren, besonders denjenigen, die dem CCCS nahestanden, nur unter Schwierigkeiten, wahrgenommen und ihrer Schwere gemäß eingeschätzt. Diese Schwäche mancher Kollegen beanstandeten Baake und Stan Cohen[158]. Demnach würde jegliche Äußerung von Rassismus, Sexismus, Nationalismus und ähnlichem heftig kritisiert, wenn sie in den Veröffentlichungen von Angehörigen der Mittelschicht auftauchten, dieselben Denkweisen den Subkulturen der Arbeiterjugendlichen jedoch wohlwollend nachgesehen[159].
So überrascht es nicht, daß die Wissenschaftler, die sich dem CCCS mit seinem Konzept des "Klassenkampfes im Kleinen" verbunden fühlten, den Rassismus der Skinheads als "kulturellen Abwehrkampf" gegen die "Bourgeoisierung" ihrer Arbeiterstadtviertel[160] oder als "Verteidigung der 'community'" werteten, da besonders die asiatischen Einwanderer die rassische und durch ihre Konkurrenz auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt auch die ökonomische Homogenität bedrohen würden[161]. Belegt wurde dieses durch die Feststellung, daß die Skinheads nicht gegen alle Farbigen vorgegangen wären, mit den afro-karibischen "Rude Boys" würden sie doch ganz gut auskommen und mit ihnen sogar gemischt-rassige Gangs bilden[162]. Daß also gerade Pakistani, die einen von den eingesessenen weißen Engländern beziehungsweise karibischen Einwanderern völlig unterschiedlichen Lebensstil führten, das Ziel der Übergriffe von Skinheads waren, wurde von den CCCS-Autoren als Beweis für die Richtigkeit ihrer These von der "Verteidigung der 'community'" verstanden[163].
Einige Wissenschaftler kombinierten diesen Gedanken mit dem Konzept der Territorialität. Allein die "Verletzung" der Grenzen des Stadtteils durch die Pakistani würde den Skinheads schon Grund genug sein, aktiv zu werden[164].
Andere Autoren - wie Schröder - wiesen lapidar darauf hin, daß Rassismus der Arbeiterklasse eigentlich nicht eigen sei. Berichte darüber würden nicht ausreichend berücksichtigen, daß der Rassismus erst das Resultat eines sich verschärfenden sozialen Klimas auf gesamtgesellschaftlicher Ebene sei[165].
Andere Forscher fanden, daß Artikel über rassistische Gewaltakte, insbesondere gegenüber Pakistani (- das "paki-bashing"), übertrieben seien[166]. Farin, Seidel-Pielen und Nevill gaben hingegen zu bedenken, daß diese Vorfälle im Jahr 1969 so stark zugenommen hatten, daß sich die pakistanische Regierung offiziell darüber bei einem Spitzengespräch mit britischen Offiziellen beklagte[167]. Immerhin gaben im selben Jahr 25 Prozent der Mitglieder der pakistanischen Studentenvereinigung an, in London schon einmal angegriffen worden zu sein.[168] Sicherlich waren diese Angriffe nicht allein von Skinheads verübt worden, aber es wird deutlich, daß es sich beim "Paki-bashing" nicht nur um vereinzelte, isolierte Akte handelte.
Von allen Autoren war es nur Dick Hebdige, der sich kritisch mit dem Konglomerat aus Territorialität, "Verteidigung der 'community'" und dem "Paki-bashing" auseinandersetzte. Hatte er in seinen Arbeiten Mitte der 7oer gemäß der Linie des CCCS kaum Kritik an der Arbeiterklasse geübt, ging er 1982 etwas differenzierter mit der Thematik um. Obwohl er weiterhin dafür war, die positiven Aspekte in der Tradition der Arbeiterschaft zu bewahren, warnte er vor falsch verstandener Nostalgie. Diese könnte dazu führen, daß der Mythos einer weißen Ethnizität entstünde, um die Arbeiterklasse vor ihrer Auflösung zu schützen. Dieser Mythos würde beinhalten, daß man "weiß" zu sein habe, um britisch sein zu können.[169] Diese Art von Rassismus sei zwar auch unter den Skinheads zu finden, aber sie teilten ihn mit allen Angehörigen der Arbeiterschicht[170]. Damit widersprach auch er der Auffassung, daß es Rassismus in der Arbeiterklasse entweder überhaupt nicht, oder nur als Ausnahmeerscheinung gegeben habe.
Ähnliche Berührungsängste wie mit dem Thema "Rassismus" hatte die Fachwelt beim Phänomen "Gewalt" nicht. Ganz unbefangen wurden die einzelnen Gegnergruppen der Skinheads aufgelistet:
• "Hippies"[171],
• Studenten[172],
• Homosexuelle[173],
• Motorradfahrer[174],
• Hells Angels[175],
• Inder[176],
• Bengalen[177],
• Pakistani[178],
• eigentlich jeder, der zur falschen Zeit am falschen Ort den Skinheads über den Weg lief und ihnen aus was für Gründen auch immer nicht zusagte[179].
Mit dieser Gewalttätigkeit unterschieden sich die Skinheads auch nicht von anderen Jugendsubkulturen. So seien Straßenkämpfe zwischen "Mods" und "Teds" oder zwischen verschiedenen "Mod"-Gruppen nicht selten[180].
Beim Thema "Gewalt" wurde die Ambivalenz vieler Autoren gegenüber negativen Verhaltensweisen der Skinheads deutlich. Diese wurden nur so lange von den Wissenschaftlern akzeptiert, solange sie die Arbeiterschaft nicht zu schlecht dastehen ließen. Daher weigerten sich die Autoren, die Brutalität als Ausdruck des "Rassismus" zu bewerten. Vielmehr sei diese Gewalt ein Merkmal des speziellen Lebensgefühls der Arbeiterklasse, in der es immer schon ein bißchen rauher zugegangen sei als in anderen Schichten.[181]
Aber auch für die Skinheads selbst hatte Gewalt ambivalente Seiten. Auf der einen Seite wurde die Gewalt (in der Literatur euphemistisch als "Aggro", Kurzform für "Aggravation", Ärger, bezeichnet[182]) nicht nur akzeptiert, sondern auch als Teil der "Parole Spaß" ausdrücklich bejaht[183]. Häufig wurde die Schlägerei mit der provokanten Frage "You want bovver, mate?" - "Willst Du Ärger, Mann?" von den Skinheads selbst eingeleitet[184]. Marshall gab unumwunden zu, daß die Skinheads ihr gewalttätiges Image liebten[185]. Auf der anderen Seite beschwerte sich derselbe Autor fast wehleidig darüber, daß Skinheads häufig auch dann in Schlägereien verwickelt wurden, wenn sie sie gar nicht wollten[186].
Über solche Gewalttätigkeiten hinaus waren Skinheads auch häufiger in kleinere Delikte verwickelt. Diese umfaßten neben Akten von Vandalismus[187] den Aufbruch von Autos, um mit ihnen herumzufahren, das sogenannte "Joyriding", kleinere Diebstähle, den Aufbruch von Zigaretten- und Kaugummiautomaten[188] sowie ungebührliches Verhalten in der Öffentlichkeit[189].
In allen Fällen wurde explizit von den Wissenschaftlern darauf hingewiesen, daß diese Kleinkriminalität entweder Ausdruck der traditionellen Kultur der Arbeiterklasse sei[190] oder daß die Skinheads nicht die einzige Jugendsubkultur sei, die ein solches Verhalten an den Tag legte